Apokalypse? Ochjo…

Ein Reiter der Apokalypse?

Die Geschichte der Apokalypse ist einerseits eine Geschichte des Scheiterns, keine Prophezeiung ist jemals eingetreten und andererseits eine Erfolgsgeschichte, da sich die Gläubigen auch durch Enttäuschungen nicht davon abbringen lassen, dass es irgendwann doch noch passiert.

Der Wandel von einer religiösen zu einer weltlichen Apokalypse, die allerdings keine Hoffnung mehr auf Erlösung birgt, spiegelt sich überall wider. Wenn man es auf die Spitze treiben will, so könnte man sagen, dass selbst das verbreitete „Früher war alles besser“ Genörgel schon eine Art apokalyptische Weltsicht ist. Denn wenn alles immer schlechter wird, so steuert man auf einen Punkt zu, an dem es für die bestehende (schlechte) Ordnung keine Besserung mehr gibt. Eine (Er-)Lösung erscheint dann irgendwann nur noch in einer vollkommenen Erneuerung zu bestehen. Oder es endet halt alles in einem „großen Knall“.

Man muss allerdings dazusagen, dass die verschiedenen Formen der Apokalypse sich zwar geschichtlich nacheinander entwickelt haben, die vorhergehenden Formen dadurch aber nicht verschwunden sind. Je nach Hintergrund des „Propheten“, wird eine entsprechende Form propagiert.

Der „Kampf gegen den Terror“ hat(te) ebenfalls apokalyptische Züge. Bush jun. teilte die Welt in Gut und Böse auf und kündigte mit markigen Worten den Kampf bis zum endgültigen Sieg über das Böse an. Jedes Mittel war ihm recht und wie wir inzwischen alle wissen, galten die zu verteidigenden Menschenrechte nur noch für ausgewählte Menschen (vgl. Kippenberg 2007).

Andererseits scheint die Wahrnehmung der Menschen nicht auf den religiösen Kontext bezogen zu sein, mal abgesehen von sehr religiösen Menschen, die das entsprechend Deuten. Die Medien bedienen sich gewisser Wörter aus der religiösen Mythologie, doch dienen sie eher als Metaphern und als eine Kategorie, die von den meisten verstanden wird. Die Übertreibung wird dabei vom Leser einkalkuliert und entsprechend wird die Meldung gedeutet. Vielmehr ist es die Einschaltquote, die lockt, wenn man die Apokalypse zum Thema macht.

Die Apokalypse ist natürlich nicht ohne ein Weltbild, bzw. eine Geschichtsauffassung denkbar, die eine Entwicklung in eine Richtung beinhaltet. In vielen Kulturen gab und gibt es ein zyklisches Weltbild. Dort gibt es kein Ende, denn ein Ende ist gleichzeitig auch immer ein Anfang von etwas neuem. Dies kann dann durchaus mehrfach passieren. Wenn die Welt aber mit der Apokalypse endet und je nach Auslegung endgültig untergeht oder die perfekte Welt entsteht, so bleibt es dann auch dabei. Das Gottesreich wird nicht noch einmal enden. Von daher ist es durchaus plausibel anzunehmen, dass die Heranziehung von Mayaschriften für eine apokalyptische Prophezeiung nur eine Anpassung an unsere Vorstellung von Geschichte ist. Die einzigen, die glauben, dass die Maya das Ende der Welt voraussagten, sind gar keine Maya.

Wie der Doktorand Sven Gronemeyer in seiner Doktorarbeit schreibt, endet für die Maya an besagtem Datum nur ein Zyklus und ein neuer fängt an. Spezielle Vorkommnisse betreffen auch nur einen Gott und nicht die Menschheit (vgl. http://www.latrobe.edu.au/news/articles/2011/article/no-2012-apocalypse-die-another-day).

Wem nützt also die Apokalypse? Wohl jedem, der die apokalyptische Rede einsetzt. Entweder um die bestehende Ordnung* zu erhalten oder um sie zu verändern. Auch wenn der Ursprung religiös ist, diente sie doch immer auch politischen Zielen. Eine Trennung ist da schwer möglich. Schließlich gibt es noch die Esoteriker, die zumeist Geld aus dem Verkauf von allen möglichen Utensilien, Büchern und anderem Kram ziehen wollen.

Man sollte also vorsichtig sein, wenn jemand eine Rede mit typisch apokalyptischen Merkmalen hält. Sie adressiert immer das Individuum und stellt dessen Probleme in einen globalen Kontext. Damit ist die Astrologie gar nicht so weit weg. Auch dort werden Allgemeinplätze angeboten, die so interpretierbar sind, dass sich jeder wiederfindet und glaubt, das Horoskop würde zutreffen. Sie bietet eine scheinbar klare Orientierung in einer komplizierten Welt. Darauf sollte man aber nicht vertrauen. Seit Jahrtausenden wird so versucht Einfluss* zu nehmen, Macht zu erhalten oder zu sichern. Also Ohren auf, das Gehirn einschalten und genau analysieren, statt sich mitreißen zu lassen.

Man könnte somit auch sagen, die Apokalypse/Apokalyptik ist eher ein rhetorisches Stilmittel. Da müsste man mal einen Sprachwissenschaftler fragen.

 *Das ist jetzt nicht als Hinweis auf irgendeine (Welt)Verschwörung gemeint.

 Literatur:

Auffarth, Christoph 2007: Apokalyptisches Mittelalter. Das Dritte Reich und des Geistes/der Gewalt. In: Schipper, Bernd U., Georg Plasger [Hrsg.] 2007: Apokalyptik und kein Ende? Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. S. 117 – 130

Kaube Jürgen 2008: Die Apokalypse in den Medien – Etwas zur Soziologie der Übertreibung. In: Nagel, Alexander-Kenneth, Bernd Ulrich Schipper, und Ansgar Weymann [Hrsg.] 2008. Apokalypse : Zur Soziologie und Geschichte religiöser Krisenrhetorik. Frankfurt [u.a.]: Campus-Verl. S. 289-302

Koch, Klaus 2007: Daniel und Henoch – Apokalyptik im antiken Judentum. In: Schipper, Bernd U., Georg Plasger [Hrsg.] 2007: Apokalyptik und kein Ende? Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. S. 31- 50
Kollmann, Bernd 2007: Zwischen Trost und Drohung – Apokalyptik im Neuen Testament. In: Schipper, Bernd U., Georg Plasger [Hrsg.] 2007: Apokalyptik und kein Ende? Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. S. 51- 74

Krech, Volkhard 2008: Wer glaubt wird selig? Enttäuschungsresistenz und letale Apokalypse – Die Zeugen Jehovas und der People‘s Temple. In: Nagel, Alexander-Kenneth, Bernd Ulrich Schipper, und Ansgar Weymann [Hrsg.] 2008. Apokalypse : Zur Soziologie und Geschichte religiöser Krisenrhetorik. Frankfurt [u.a.]: Campus-Verl. S. 217-236

Nagel, Alexander K. 2008: Ordnung im Chaos – Zur Systematik apokalyptischer Deutung. In: Nagel, Alexander-Kenneth, Bernd Ulrich Schipper, und Ansgar Weymann [Hrsg.] 2008. Apokalypse : Zur Soziologie und Geschichte religiöser Krisenrhetorik. Frankfurt [u.a.]: Campus-Verl. S. 49-72

Nagel, Alexander K. 2007: „Siehe ich mache alles neu?“ Apokalyptik und sozialer Wandel. In: Schipper, Bernd U., Georg Plasger [Hrsg.] 2007: Apokalyptik und kein Ende? Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. S. 253-272

Schipper, Bernd U. 2008: Apokalyptik und Apokalypse – Ein religionsgeschichtlicher Überblick. In: In: Nagel, Alexander-Kenneth, Bernd Ulrich Schipper, und Ansgar Weymann [Hrsg.] 2008. Apokalypse : Zur Soziologie und Geschichte religiöser Krisenrhetorik. Frankfurt [u.a.]: Campus-Verl. S.73-100

Schipper, Bernd U. 2007: Endzeitszenarien im Alten Orient. Die Anfänge apokalyptischen Denkens. In: Schipper, Bernd U., Georg Plasger [Hrsg.] 2007: Apokalyptik und kein Ende? Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. S. 11 – 30

Vondung, Klaus 2008: Die Faszination der Apokalypse. In: Nagel, Alexander-Kenneth, Bernd Ulrich Schipper, und Ansgar Weymann [Hrsg.] 2008. Apokalypse : Zur Soziologie und Geschichte religiöser Krisenrhetorik. Frankfurt [u.a.]: Campus-Verl. S. 177-196

Einleitung

Teil 1

Teil 2

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6 Responses to Apokalypse? Ochjo…

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  4. Sicher ist sicher. US Behörden geben ja immerhin auch Vorkehrungen für den Fall einer Zombieausbreitung heraus http://www.focus.de/panorama/welt/angeblicher-weltuntergang-wenn-der-zombie-zweimal-klingelt_aid_629620.html

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