Was bedeutet es, Amerikaner zu sein?

Bei der Abschlussveranstaltung des Forum Siegen, ging es um das Thema „Was heißt es, ein Amerikaner zu sein.“ Es sprach zum Thema Prof. Dr. Hans Vorländer. Das gesamte Semester stand unter dem Titel „Amerika – Eine kritische Landeskunde“. Davon hatte auch das amerikanische Konsulat mitbekommen und der Herr Generalkonsul Boyse war begeistert davon, das man sich auch in der Provinz mit seinem Heimatland auseinandersetzt. Er war auch zugegen und versuchte es aus seiner Sicht zu beschreiben, konnte aber keine befriedigende Antwort geben. Was auch verständlich ist, immerhin streitet man sich ja bei uns auch, was es heißt ein Deutscher zu sein.

Prof. Vorländer erzählte in seinem Votrag eine Geschichte, die Geschichte vom jetzigen potentiellen Präsidentschaftskandidaten, der es geschaft hat, als Schwarzer sich hochzuarbeiten und einen steilen Aufstieg hingelegt hat. Amerikaner zu sein bedeutet nicht, dort gebohren zu sein, denn schließlich sind dort ja eigentlich alle Einwanderer, bis auf die Indianer. Es ist eher die Idee einer neuen, freien Gesellschaft, wie sie die Gründerväter in der Unabhängigkeitserklärung und in der Verfassung der USA festgehalten haben. Der Amerikanische Traum, es vom Tellerwäscher zum Millionär zu bringen. Was allerdings niemand garantiert, aber es geht wohl auch eher um die Möglichkeit. Prof. Vorländer beschrieb das, was die Amerikaner mit ihren vielfältigen sozialen Hintergründen zusammenhält als „Zivilreligion“. Die Idee der Freiheit, Gleichheit und der Suche nach dem Glück, sowie die Werte der Demokratie als das Verbindende Element. Dabei werden die rethorischen Mittel der Predigt genutzt, wie man in verschiedenen Reden von Präsidenten und anderen sehen kann. Außerdem sind die politischen Gedenkstätten wie Tempel angelegt. Zum Beispiel das Lincoln Memorial. Es ist, wie Vorländer es ausdrückte, die große Geschichte, in die sich jeder einschreiben möchte. Deswegen wird auch immer wieder auf die alten Helden bezug genommen. Alles trifft sich im Gründungsmythos der USA. Die Gründungsdokumente werden aufbewahrt und ausgestellt wie heilige Reliquien. Man kann auch die Zugfahrt von Obama auf den Spuren von Lincoln als gutes Beispiel dafür sehen. Er reiht sich in die Reihe der US Präsidenten ein und zeigt, wer seine Vorbilder sind und im Falle von Lincoln auch, wer es erst möglich gemacht hat, dass er Präsident werden konnte.

Es ist also nicht Blut und Boden, wie es in der europäischen Tradition verankert ist, und leider auch gerade bei uns, sondern der gemeinsame Glaube an eine bessere Welt, eine neue Chance für jeden, der bereit ist sie zu ergreifen.

Herr Boyse konnte zwar auf die nochmalige direkte Frage, was es heißt ein Amerikaner zu sein, nicht antworten, doch konnte er zumindest beschreiben, was für ein Gefühl es ist. Laut seiner Aussage, ist es ein gutes Gefühl der Freiheit. Das deckt sich mit Selbstverständnis des „American Dream“. Eine Gesellschaft, die einerseits immer auf ihre Vergangenheit sieht, aber sich doch stehts neu erfindet. Immer nach Vorne geht.

Eine Frage blieb leider unbeantwortet. Jemand aus dem Publikum fragte, was so ein Gründungsmythos und entsprechende Riten bei uns bewirken könnten. In der Tat hatten wir ja mal sowas wie einen Gründungsmythos. Das Deutsche Reich wurde 1871 im Spiegelsaal von Versaille gegründet. Ein gewonnener Krieg ist ja auch nicht selten wenn es um Staatsgründungen geht. Der Unterschied ist nur, dass diese Gründung nicht von „Unten“ kam, sondern von der Obrigkeit wohlvorbereitet vollzogen wurde.

Wer nich mehr über die USA und die kulturellen besonderheiten erfahren möchte kann sich auch bei diesem Blog Kundig machen.

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