Warum Soziologen Interesse an Informatik haben sollten

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Auf den ersten Blick haben Informatik und Soziologie wenig miteinander zu tun. Vielleicht sollte ich auch eher sagen, ein Soziologe sollte auch immer ein Programmierer sein. Informatik geht ja doch über das reine Programmieren hinaus. Es kommt auch darauf an, welche Richtung man einschlagen will. In der theoretischen Soziologie ist es wahrscheinlich weniger notwendig. Wer aber empirisch forschen möchte (egal ob in der Wissenschaft oder Wirtschaft), der wird um den Kontakt mit Programmiersprachen nicht  herum kommen. Durch neue Kanäle für Umfragen, rücken Themen aus der Informatik auch in die Soziologie und deren Berufsfelder vor. Die Datenbanken werden immer größer und komplexer. Es gibt inzwischen eigene Forschungsbereiche, die sich mit der Archivierung von qualitativen und quantitativen Daten beschäftigen. Man sollte also wenigstens am Programmieren interessiert sein, sofern man in diesem Bereich mal arbeiten möchte.

An der Universität Bremen wird gerne mit dem Statistikprogramm STATA gearbeitet. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass man sich nicht über das Menü eine Auswertung zusammenklickt, sondern sich der Syntax bedient. In meinem Masterstudiengang war das jetzt nicht so das Problem. Ich habe aber einige Bachelor Seminare besucht, wo es einige Seufzer gab, wenn es ans Programmieren ging. Mir ist dort zum ersten Mal aufgefallen, wie gut mir meine Programmiererfahrungen geholfen haben. Im Falle von STATA ist die Syntax ähnlich der von C oder PHP aufgebaut. So kam ich ohne Probleme rein und meist funktionierte es so, wie es mir gedacht hatte.

Jedes Statistikprogramm, sei es STATA, SPSS, SAS, hat eine Scriptsprache und diese bietet deutlich mehr Funktionen als im Menü zu finden sind. Wer es ganz hart haben will, kann natürlich auch R nehmen. Daher kommt man ohne auch nicht wirklich zurecht.

[tipp]Für Anfänger mit SPSS: In jedem Menü gibt es den Knopf „Einfügen“ damit fügt SPSS die soeben zusammengeklickte Funktion in das Syntaxfenster ein. So kann man ganz einfach sehen, wie die entsprechende Syntax aussieht und daraus lernen.[/tipp]

Syntax macht das Leben deutlich leichter. Fehler können besser gefunden werden. Die einzelnen Schritte der Datenaufbereitung und Analyse sind jederzeit nachvollziehbar. Wer weiß schon was er vor drei Wochen genau bei einem bestimmten Analyseschritt gemacht hat? Die Schritte sind auch in Sekunden reproduziert. Sollten Datenverluste auftreten und die aufbereiteten Daten verloren gehen, dann führt man einfach die Programmschritte mit dem Originaldatensatz noch einmal aus und hat alles wieder wie es mal war. Nicht zuletzt ist eine gute Dokumentation auch eine Frage der Nachvollziehbarkeit und Transparenz der Forschung.

[tipp] Immer eine Sicherheitskopie der Daten anlegen und nicht mit dem Original arbeiten.[/tipp]

Ein weiterer Grund sind Onlineumfragen. Zwar gibt es inzwischen Programme, mit denen diese erstellt werden können, doch ein wenig Ahnung von den Möglichkeiten und Fallstricken der Webtechnik kann nicht schaden. Unterschiedliche Browser eventuell notwendige Versionen für Mobiltelefone und Tablets. Wer weiss was passieren kann und wie man die Probleme umgehen oder lösen kann, ist klar im Vorteil. Das haben die Erfahrungen bei meiner letzten Onlineumfrage deutlich gezeigt. Wenn die ersten Befragten anrufen und Hilfe brauchen, muss man die richtigen Fragen stellen und die Funktionsweise des Systems verstanden haben um zu helfen. Auch da halfen mir meine Kenntnisse von Datenbanken und der Funktionsweise von Servern.

[tipp]Immer Kommentare im Code nutzen. Darin nicht nur schreiben was passiert, das ist ja meist direkt ersichtlich, sondern auch warum das so gemacht wird. Das ist auch ein guter Weg um Fehler zu vermeiden, denn dann ist man gezwungen den Plan noch einmal zu durchdenken.[/tipp]

Wer also Soziologie studieren möchte, sollte sich auch mal über diesen Aspekt seine Gedanken machen. Man muss kein Informatiker sein um Soziologie zu studieren oder zu forschen. Ein wenig Interesse an Computertechnik und Programmierung kann aber nicht schaden, sofern man sich beruflich in eine Richtung orientieren möchte, wo solches Wissen relevant sein kann.

Ich finde diese Entwicklung extrem spannend, da dies für mich bedeutet, dass ich mein Interesse für Forschung mit meinem Interesse für Programmierung und Technik verbinden kann.

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6 Responses to Warum Soziologen Interesse an Informatik haben sollten

  1. DrNI says:

    Bei uns an der Uni Tü gibt es ein Forschungsprojekt zur Langzeitarchivierung von linguistischen Daten. Das ist gerade das neue Ding.

    Wer vor Code keine Angst hat, kann mit GNU R alles machen, was das soziologische, linguistische, psychologische oder sonst wie forschende Herz begehrt. :-)

  2. Ronny says:

    Ein schöner kurzer Artikel zu einem interessanten Thema.

    Es gibt natürlich noch viel mehr Programme, die für Soziologen und verwandte Arten ;) relevant sein könnten (SoSciSo).

    Der Ansatz könnte sogar noch weiter gedacht werden, wenn man bedenkt, was für ein riesiges Feld die Informatik doch auch für den Soziologen darstellen kann. Da ist es natürlich immer von Vorteil, etwas von der wie für jedes Feld sehr speziellen Sprache zu sprechen.

    • Soziobloge says:

      Ja die Möglichkeiten sind recht weit gefasst. Ein weiterer Aspekt kann auch das „Übersetzen“ zwischen den Anwendern und Informatikern sein. Wenn es beispielsweise um die Zusammenarbeit mit Softwareentwicklern in einem Datenprojekt oder ähnlichem geht. Meine Erfahrungen in dem Bereich sind die, dass die Informatiker/Techniker deutlich aufgeschlossener sind, wenn man ihre Sprache spricht und wenigstens so viel von ihrer Sache versteht, dass man mitreden kann. Das Erleichtert die Zusammenarbeit enorm. Nicht nur in der Hinsicht, dass man sich fachlich austauschen kann, sondern auch beim Abbau von Vorurteilen.

  3. Da habe ich in meinem derzeitigen Job Glück, mein mir zugeteilter Informatiker schaut weit über den Tellerrand. Zum Beitrag muss ich aber sagen, dass man bei Warum Soziologen Interesse an Informatik haben sollten“ das „Informatik“ gegen jede andere Fachrichtung auswechseln und einen Artikel darüber schreiben könnte. Elias meinte, ordentliche Soziologen müssten zunächst einmal ordentliche Historiker sein. Ein Prof an meiner Uni sah die Wichtigste Parallelkompetenz in der Mathematik. Mein anderer Professor fand die Humangeographie sehr wichtig, da Spziologen ihre Theorien so unabhängig vom Erdboden und den klimatischen Bedingungen entsinnen. Eine Professorin beklagte die mangelnde Kompetenz in Linguistik, gerade bei der qualitativen Auswertung von Interviews. Psychologie und Politologie sowieso. Und die Philosophie deshalb, weil sich dann viele Fragen schon von vornherein erledigen. Achja, Anthropologie ganz wichtig, wer versteht sonst den Menschen? Für Jura gäbe es auch ein Plädoyer. Naja und natürlich eben auch für Informatik. Und „Ein wenig Interesse an Computertechnik und Programmierung kann aber nicht schaden, sofern man sich beruflich in eine Richtung orientieren möchte, wo solches Wissen relevant sein kann.“ ;-P Ich meine klar, und wenn du Soziologie in der Berufsschule lehren willst, kann etwas Pädagogik nicht schaden. Allgemein schadet es ja nichts, Es schadet eigentlich selten, sich in dem Gebiet auszukennen, mit dem man zu tun hat. ^^

    • Soziobloge says:

      Ja eine gute Allgemeinbildung und ein breites Interesse ist schon von Vorteil. Das gilt im Prinzip für alles.

      Klar schadet es nie. Nur manche Leute ignorieren das schonmal. ;-)

      Für was ist denn dein zugeteilter Informatiker zuständig?

      P.S. Schön mal wieder was von dir zu hören.

  4. Pingback: SoSciSo: Social Science Software: Standing on the shoulder of bytes?

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