Warum ich Soziologie studiert habe

Hier nun der erste Gastbeitrag im Rahmen meines CfP zum Thema Soziologie Studium. Autorin ist die Vrouwelin, die übrigens auch ein eigenes Blog mit Podcast hat.

Als ich zur Soziologie kam, hatte ich grade Biologie abgebrochen. Zu wenig Diskurs, zu viel Bulimie-Lernen.
Ich hatte einfach total neben meine Interessen gegriffen.

Heute studiere ich im Master Bildungswissenschaften, zuvor habe ich einen Bachelor in Sozialwissenschaften gemacht.
Zwar überkommt mich ob meines technisch begabten Bekanntenkreises manchmal der Minderwertigkeitskomplex, trotzdem liebe ich mein Fach. Ich lese gerne, ich reflektiere gerne, denke gerne weiter und blicke hinter die Fassade.

Natürlich hätte ich auch irgendwo im Ausland Psychologie studieren können. Mich interessiert aber seit Ewigkeiten, wie Massen funktionieren. Wie Gesellschaften strukturiert sind.

Als kleiner Freigeist gefällt mir an meinem Studium besonders, dass ich mir mein Profil und meine spätere berufliche Laufbahn komplett selber klöppeln kann und muss. Das ist im Umkehrschluss auch das, was es manchmal schwer macht. Du bist halt nicht fertig und bist „Arzt“, „Jurist“ oder „Baumstreicher“. Du bist, wenn du nur studiert hast, erstmal unfertig.
Mir kommt das entgegen, ich habe mich in so viele Richtungen umgucken können und letztendlich meinen Schwerpunkt in der Bildung und Ungleichheitssoziologie gefunden. Am liebsten in empirischer Betrachtung. Ob ich damit auch beruflich erfolgreich sein werde, kann ich noch nicht sagen. Zunächst kommt nach dem Masterabschluss voraussichtlich meine Promotion.

Vielleicht noch ein etwas anderer Aspekt. Während meines Studiums habe ich mich natürlich nicht nur fachlich entwickelt.
Ich habe mich auch auf einer persönlichen Ebene entwickelt. Ich war nie die, die eine große, klassische Karriere anstrebte. Das Studium hat mich in dieser Richtung noch bestärkt. Ich habe den Minimalismus für mich entdeckt, bin konsum- und kapitalismuskritischer als vorher. Aber auch sensibler was die „Rucksäcke“ anderer Leute betrifft. Ich habe meinen Blick für die Barrieren anderer Menschen schärfen können. Und betrachte vieles sehr viel öfter auf einer Metaebene, die ich erst durch das Studium kennengelernt habe. Und ich habe – und das ist absolut nicht zynisch gemeint – gelernt Unsicherheiten auszuhalten und konstruktiv damit umzugehen.

Ich würde jederzeit wieder Soziologie studieren.

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