Warum ich Soziologie studiere 2

Ein weiterer Gastbeitrag zum Thema Soziologie-Studium. Der Autor möchte nur sein Pseudonym „Menschenfreund“ bekannt wissen.

Ich habe mich unmittelbar nach meinem Abitur für Soziologie entschieden und diese Entscheidung bislang nicht bereut. Ich war (und bin) vielseitig interessiert: Sowohl an Naturwissenschaften als auch Philosophie, Geschichte, VWL und natürlich den Sozialwissenschaften im engeren Sinne. Die Soziologie bietet für mich die größte Schnittmenge all dieser Interessen. Ich habe mich ehedem bewusst für ein Studium mit quantitativ-empirischem Schwerpunkt entschieden, weil die Soziologie eine Erfahrungswissenschaft ist und die zuweilen normative und sozialphilosophische Komponente anderer Ausrichtungen eine Ablenkungen von der Kernaufgabe wertfreier Wissenschaft darstellt. Auch diese Richtungswahl habe ich bislang nicht bereut. Zuletzt schätze ich an der Soziologie die Kompatibilität mit meinem politischen Interesse. Nur derjenige, der hinreichend über gesellschaftliche Tatbestände und Zusammenhänge informiert ist, kann sich Gedanken über sinnvolle politische Einflussmöglichkeiten machen. (Auch viele Soziologen verwechseln die Reihenfolge.)

Inzwischen studiere ich im Master und versuche nach wie vor meine private Lektüre als auch meine Seminarwahl inhaltlich so vielfältig als möglich zu gestalten, denn eine enge Spezialisierung erfolgt im Berufsleben ohnehin viel zu früh. Neben Arbeitsmarktsoziologie, Wirtschaftssoziologie, Bildungssoziologie und Familiensoziologie würde ich mich künftig gerne Bereichen widmen, in denen derzeit ein Mangel methodisch stringenter Untersuchungen zu konstatieren ist (insbesondere der Kultursoziologie).

Neuerdings sehe ich neben der Notwendigkeit statistischer Methoden zunehmend auch Bedarf an größerer formaler Modellbildung. Soziologische Theorien sind uneinheitlich und bieten durch ihre undurchsichtigen und unzureichenden verbalen Formulierungen zu viel Spielraum für versteckte Annahmen, Non-Sequitur-Schlüsse, tautologische Aussagen usw. …

Leider bietet kein Bachelor- oder Masterprogramm in Deutschland einen derartigen Schwerpunkt an. Demnach werde ich mich, sofern ich mich wie geplant für eine Promotion entscheide, vornehmlich durch eigene Anstrengung in dieser Hinsicht weiterbilden müssen. Ich hoffe, dass künftig der Anteil formaler Modellierungen im Studienangebot zunehmen wird, damit sich mehr Menschen mit entsprechendem Interesse von der Soziologie angezogen fühlen.

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