Höflicher Diskurs

Vor ein paar Tagen sah ich dieses Video bei TED. Es geht um Diskurs und am Beispiel der amerikanischen Demokraten und Republikaner gezeigt, wie diese beim Versuch die jeweils andere Fraktion zu überzeugen, aneinander vorbei reden. Die Lösung, die hier vorgeschlagen wird, verlangt einiges an Empathie. Man muss sich nämlich fragen, was ist für die Gegenseite besonders wichtig und wie kann ich in deren Kontext meine Ziele vermitteln. Das heißt eben auch, deren Begriffe zu benutzen, um überhaupt die Aufmerksamkeit der anderen zu bekommen.

Das erinnerte mich auch noch an eine Diskussion die ich letztens hatte. Es ging um die Frage, wie ich „westliche“ Werte Menschen anderer Kulturen vermittle, ohne gleich diese als Rückständig abzuwerten. So wäre es eine gute Methode, zu schauen, welche Werte und Ziele vorhanden sind und wo es Anknüpfungspunkte gibt, die ein Verstehen und die Kommunikation erleichtern. Denn eigentlich haben alle Menschen gemeinsam das Ziel ihr Leben bestmöglich zu gestalten. Die Art und Weise kann aber eben sehr unterschiedlich sein.

Man sollte also immer auch einen Blick hinter den Vorhang werfen und nicht das offensichtlichte Verhalten bewerten, ohne den Kontext an Gründen dazu. Das heißt aber eben auch, den „Gegner“ nicht zu verteufeln sondern einen Schritt zurückgehen und die Moral mal beiseite lassen und selbst zu verstehen.

 

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Einfach mal die Fresse halten, solidarisch sein, machen und mal entspannen

Der Advi hat einen Artikel geschrieben und  die Vrouwelin hat dazu etwas ergänzt. Und jetzt möchte ich dazu auch noch etwas sagen.

In ersterem Artikel geht es darum, nicht nur irgendwelche Rechte für Minderheiten einzufordern und ansonsten halt zu jammern, dass man dies oder jenes nicht machen kann, oder dafür kritisiert wird, sondern man soll es halt machen. Das bedeutet natürlich auch, diese Kritik, die von anderen kommt auch auszuhalten. Gleichzeitig wird man damit aber auch Leute erreichen, und ich denke das ist die Mehrheit,  die durch Kontakt damit erkennen, dass man auch nur ein „normaler“ Mensch ist.

Dazu scheibt er als Antwort auf die Fragen in den Kommentaren:

„Der ganze Backlash kommt von diffusen Ängsten, diffusen Ansprüchen und zu viel indirekter Kommunikation. Ich habe eine Flüchtlingsklasse unterrichtet, das einzige was ich daraus gelernt habe ist: sind auch nur Schüler. Diese Erfahrung ist die Basis von gesellschaftlicher Veränderung.“

Das beschreibt auch recht gut das Phänomen, dass in Gegenden in denen kaum Ausländer wohnen, die Ablehnung gegen diese besonders groß ist.

Ich habe mich in meinem Leben schon in diversen Subkulturen rumgetrieben und so einige  „komische“ Leute kennengelernt. Und alle waren genauso nett oder doof wie alle anderen auch. Kommt jetzt eine andere Person mit einem noch unbekannten Lebensmodell daher, denke ich mir nur, schön, wenn es glücklich macht.

In den Kommentaren kam ebenso eine Frage bezüglich Verhaltensweisen, die zur Zeit noch strafbar sind. Und da kommt einem auch die Soziologie zur Hilfe, die besagt, dass Kriminalität die Gesellschaft einerseits stabilisiert und andererseits auch Fortschritt bringen kann*. Als Beispiel fällt mir da immer der Abtreibungsparagraph und die Demonstrationen dagegen ein. Dort wurden irgendwann Transparente hochgehalten, auf denen stand „Ich habe abgetrieben“. Damit wurde verdeutlicht, dass es gerade kein Einzelfall ist, sondern illegal schon gemacht wird und dabei mehr Leid entsteht, als durch ein Verbot verhindert würde. Wenn ein Gesetz nicht durchgesetzt wird oder werden kann, so verliert es seine Legitimation.

Soweit unterstütze ich die Idee, einfach zu mache. Ich bin ja immernoch der vielleicht etwas weltfremden Meinung, dass Deutschland ein Land ist, in dem man einfach alles machen kann, was nicht gegen Gesetze verstößt, oder anderen schadet und jedes Lebensmodell möglich ist. Das ist für mich der Unterschied zwischen einer liberalen Demokratie und einer Diktatur einer Mehrheitsmeinung. Sei es religiös oder anderer Art.

Kommen wir nun zu einem weiteren Aspekt, den die Vrouwelin eingebracht hat, und der bei Advi nur implizit auftaucht. Die Empathie, oder halt die Fähigkeit, trotz eigener Vorbehalte, wenigstens Verständnis aufzubringen. Und der Preis des einfach machens kann natürlich schon hart sein, wenn das eben nicht der Fall ist und unempathische Leute an den falschen Stellen sitzen, die einem das Leben kaputt machen können. Deswegen ist Empathie und Solidarität wichtig. Auch mit Menschen, deren Lebensmodelle nicht die unseren sind.

Beim lesen des Artikels fiel mir ein, wie die Diskussionen in den sozialen Medien ablaufen. Gerade jetzt zur US Präsidentenwahl wurde mir das nochmal bewusst. Wenn ich an die Diskussionen in den (sozialen) Medien denke, dann sehe ich dort recht wenig davon. Mein Eindruck ist, dass jeder seine feste Meinung hat und denkt, die ist richtig und jeder der nicht der eigenen Meinung ist, ist ein Nazi, Sexist, Feminazi, you name it. Dabei brüllen sich alle gegenseitig an und beschimpfen sich und werfen der Gegenseite vor andere zu beschimpfen. Eine kleine Übersicht dazu findet sich bei Stephan Humer. Und das ist, nach allem was ich so mitkriege eben genau das, was ankommt. Die wollen mir vorschreiben wie ich zu leben habe und mir meine Rechte auf irgendwas nehmen, während andere welche bekommen.

Was mir dazu gerade spontan beim Schreiben einfällt wäre Rollendistanz. Alle müssten mal einen Schritt zurück treten und sich die Sache, wie bei einer Fernsehwiederholung eines Zwischenfalls, anschauen.

Ich mag mich täuschen, aber mein Eindruck ist, dass eine Welle an Medieninhalten auf uns alle einprasselt, deren Kernbotschaft ist, du musst dies und das machen sonst machst du alles falsch in deinem Leben.  Die Botschaft ist eben nicht, leb dein Leben wie es dir gefällt, sondern lebe dein Leben „richtig“. Und was genau jetzt „richtig“ ist, bestimmen wir. Wer auch immer dann „wir“ ist.

Was mich nervt sind Leute, die andere dafür kritisieren, dass sie intolerant seien und gleichzeitig stempeln sie andere Leute mit akademisch klingenden Schimpfwörtern ab und sind selbst nicht zum Dialog bereit. Mir kommt es vor, als wenn es nicht um Inhalte, sondern um die Form geht. Etwas, was niemand aus der Arbeiterklasse jemals verstehen würde. Dort hält man nichts von „hochgestochen um den heißen Brei rumreden“. Man kann das sicher in akademischen Kreisen tun, doch wenn Leute außerhalb der akademischen Filterbubble (eigentlich auch eine moderne Bezeichnung für Elfenbeinturm) erreiche möchte, dann ist das nicht von Vorteil eine eigene Sprache zu haben, die von der Zielgruppe nicht verstanden wird.

Im Prinzip reden alle aneinander vorbei und beschuldigen sich gegenseitig, dass die Gegenseite ihnen ihren Lebensstil aufzwingen will. Und am Ende wundert man sich, warum Politiker Erfolg haben, die zumindest vorgeben einen zu verstehen und zuzuhören.

Womit wir wieder bei der Empathie wären. Ich glaube, der größte Fehler ist, zu glauben, dass die eigene Weltanschauung so gut und perfekt ist, dass sie jeder ohne Erklärung einsehen muss. Tut er das nicht, ist er einfach zu doof dafür. Schaut man sich die soziale Welt auf diesem Planeten an, so ist das aber nur sehr selten der Fall.

Wenn euch jemand als dumm bezeichnet weil ihr seine Meinung nicht teilt, dann werdet ihr doch sicher nicht sagen, ja stimmt da hat er recht, ich bin total doof. Nein, wenn ich jemanden überzeugen will, dann muss ich ihm das Gefühl geben, dass ich ihn auch ernst nehme. Erst auf dieser Basis kann ein Dialog funktionieren. Solange aber jeder als „Nazi“ beschimpft wird der es gar nicht ist, führt das nur zu einer Abstumpfung. Denn diese Bezeichnung ist einfach nur eine Methode um die Kommunikation abzubrechen.

Um mal ein Beispiel zu nennen, wenn linke Wohlstandskinder mir als weißem Mann, der als Arbeiterkind aufgrund seiner Herkunft nicht zum Gymnasium konnte, und dann über den Zweiten Bildungsweg  mühsam und Zeitraubend schließlich doch noch zur Uni kam, erklären, ich solle mal meine Privilegien checken, dann komme ich mir etwas veralbert vor.

Das soll jetzt kein Rant gegen Linke oder Akademiker allein werden. Ich kenne beide Welten und weiß, wie jedweils über die andere gedacht wird. Das Thema ist auch wesentlich komplexer und vielschichtiger, als ich es hier darstellen kann. Das ist nur eine Ebene, die mir gerade aufgefallen ist. Gerade auch im Zuge der US Präsidentenwahl, wo ich Trump Wähler und Nichtwähler und ihre Ansichten in meiner eigenen Filterbubble beobachtet habe. Auf allen Seiten scheint mir ja im Moment nichts unter „Nazi“, „Teufel“ und „Apokalypse“ zu laufen. Dass eben nicht alles so schlimm und dramatisch ist, was so gezeigt wird, kann man hier nachlesen.

Von daher kann ich „Einfach mal die Fresse halten, solidarisch sein und  machen.“  nur unterstützen und dazu noch ergänzen, einfach mal entspannen.

*Das soll jetzt kein Aufruf dazu sein gegen Gesetze zu verstoßen, oder Kriminalität als gut hinstellen. Das Thema ist deutlich komplexer als ich es hier ausführen kann und bezieht sich nur auf die akademisch, soziologische Analyse der gesellschaftlichen Funktionen und Wirkungen im politischen Diskurs.

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Soziologische Linkschau 7/16


Dr John Goldthorpe: Decades of investment in education have not improved social mobility (The Guardian)


Matthias Burchardt: Die Krise selbstgesteuerten Lernens (SWR)


Karim El-Gawhary: Taktik des IS in Europa (ORF)


Warum Geld immer da bleibt, wo es ist (DRadio Wissen)


Heinz Bude „Die Verbitterten ergreifen das Wort“ (Handelsblatt)


Seth Godin: Survey questions


Christina Müller: Macht die französische Terrorismusforschung bald Politik?


Keine Angst vor dem Studium: Das Projekt „DeinWeg@Uni“ an der Heinrich-Heine-Universität


Paleo – Wieder eine neue Crash-Diät? Eine Analyse im Social Web“ (Mafolution)


Stichprobe oder BigData? (Marktforschung.de)


Andreas Diekmann über Wahlforschung (Süddeutsche Zeitung)


Zellmedien Podcast Folge 3 (Biologie)


 

 

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Soziologische Linkschau 6/16


Der Politologe Colin Crouch über Rechtspopulistische Parteien


Vortrag in Bremen: Der Körper des Drachen – Chinas Megastädte aus interkultureller Perspektive


SoWi Stamtisch #28: Wettbewerb und Kooperation bei Bourdieu


Mitternachtskabinett #34: Die Angst und nordkoreanische Einhörner


ARMIN NASSEHI: Die Stunde der Konservativen (FAZ)


Aktuelle Sozialpolitik: Von der Armut, ihren Quoten, ihrer kritischen Diskussion – und von abstrusen Kommentaren


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Soziologische Linkschau 5/16


Is Social Science Politically Biased? (Scientific American)


Public statement by academics working in the field of migration and refuge


Benefit sanctions have failed: a Comprehensive Review is needed (London School of economics and political science)


„Soziale Systeme Komplex heißt heute immer zu komplex“ (Frankfurter Allgemeine)


Beobachter.LAB: Genderneutralität und Sprachzerstörung


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Soziologie der Katze


Katzen sind auf fast allen Kontinenten vertreten und leben schon seit Jahrtausenden als Haustiere mit den Menschen. Allerdings wurden sie nie so stark domestiziert wie Hunde. Katzen werden grob in Groß- und Kleinkatzen unterteilt. Insgesamt gibt es mehr als 37 Arten. Sie haben einen ausgeprägten Hör- und Tastsinn und können auch bei schlechten Lichtverhältnissen noch gut sehen.

Fossilfunde von Katzen gehen bis zu 30 Mio Jahre zurück. Die Säbelzahnkatzen starben vor etwa 10.000 Jahren aus. Continue reading

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Soziologische Linkschau 4/16


Soziopod #043: Mein Kick, meine Ehre, meine männliche Gewalt


Ueli Mäder im Interview zum Thema Wirtschaft und Macht


Folge 25: Flüchtlinge und der Hass im Netz


Thomas Schmid fordert eine neue Gründerzeit in der Soziologie


Die DGS fordert eine breite sozialwissenschaftliche Grundbildung in Schulen


 

 

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Etablierte Parteien und ihr Umgang mit extremen Parteien

Im Moment überbieten sich die Parteien mit neuen Vorschlägen von Gesetzesverschärfungen für Flüchtlinge. Jeder noch so kleine Vorfall wird in den Medien aufgebauscht und selbst wenn die Straftaten dann doch von schon länger in Deutschland lebenden „Ausländern“ oder Deutschen mit Migrationshintergrund begangen wurden, was beim Normalbürger hängen bleibt, ist die Asylanten sind eine Gefahr für Deutsche Bürger. Niemand liest die Gegendarstellung, die dann auch nicht reißerisch auf der Titelseite steht.

Dieses Spiel ist nicht neu. Jedes Mal, wenn die Zahl der Flüchtlinge angestiegen ist, wurden Rufe nach einer Verschärfung der Asylgesetzgebung laut. Ebenfalls taucht der nicht tot zu kriegende Mythos von der Sonderbehandlung von Ausländern durch Polizei und Behörden immer wieder auf. Continue reading

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Soziologische Linkschau 1/16


Der eilige Geist“ zum Thema Zeitwahrnehmung (NZZ)


„Ingrid Breckner über die Kiezintegration von Flüchtlingen, die Illusion vom Leben im Grünen und die Wohnsilos von morgen.“ (TAZ)


Soziologe Armin Nassehi: „Die Wildheit des Religiösen einhegen“ (der Standard)


Immanuel Wallerstein: „In 30 Jahren wird es keinen Kapitalismus mehr geben“ (Telepolis)


Jutta Allmendinger zum Thema Karriere und Kinder (SZ)


Pierre Bourdieu und das Bildungssystem (SoWi-Stammtisch #21)


 

 

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