Gedanken zu Menschenrechten und Demokratie

Der Sonntagssoziologe und die Tatsache, dass ich eine Hausarbeit über Menschenrechte schreibe, hat mich auch zum Nachdenken über diese gebracht.

Dabei viel mir auf, dass die Menschenrechte in Zusammenhang mit einer Demokratisierung gebracht werden, ja nahezu als untrennbar verbunden angesehen werden.

Im Zusammenhang mit China ist das eine interessante Sichtweise. Die Frage die ich mir gestellt habe war, können wir überhaupt wollen, dass China die Menschenrechte beachtet?

Zumindest unter den gegebenen politischen Rahmenbedingungen können wir das eigentlich nicht wollen. Wenn es China schaffen würde, die Menschenrechte zu achten und gleichzeitig die Parteidiktatur aufrecht zu erhalten, würde dies die These der Demokratisierung durch Beachtung der Menschenrechte widerlegen.

Für die Menschenrechte, wobei man da noch herausfinden müsste, welche denn gewährt werden könnten, ohne die Diktatur zu gefärden , wäre es sicher ein Fortschritt. Nicht aber für die weltweite Demokratisierung.

Wobei die Menschenrechte von der Theorie her nicht gewährt werden können, sondern angeboren und von Natur aus gegeben sind. So kann der Staat die Rechte nur schützen oder missachten, aber nicht von sich aus gewähren.

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Jugendgewalt

Die Jugendgewalt. Sie überrascht jede Generation wieder von neuem, wie Francois Dubet es ausdrückt. In traditionellen Gesellschaften war die Gewalt eine Form der Integration und Sozialisation. Man schuf bestimmte Gelegenheiten, um in stark reglementierten Riten, eine gezielte Überschreitung der Normen zu ermöglichen. Dabei zeigt sich die Ambivalenz darin, dass sich die Erwachsenen zwar einerseits über die Jugendgewalt beschweren, sich aber andererseits mit ihren Gewalttaten aus ihrer eigenen Jugendzeit rühmen. Die Gewalt galt als der Beweis ihrer Männlichkeit.

In einer modernen Massengesellschaft, mit der Auflösung der sozialen Strukturen in den Städten, wird die Gewalt von ihrer Funktion und von ihren Riten gelöst. Sie wird nicht mehr als notwendiges Mittel der Integration wahrgenommen, sondern als eine störende Gewalt, die nicht in das Weltbild passt. Dies zeigt sich auch in der steigenden Anzahl von Anzeigen, bei Gewalt in Schulen. Früher hätte man das intern geregelt, während heutzutage immer mehr die Polizei eine Rolle spielt. Die soziale Kontrolle fällt weg und damit auch die Begrenzung der Gewalt. Die staatlichen Institutionen können nicht angemessen auf die Lage reagieren und die mangelnde soziale Kontrolle ausgleichen (Dubet, 221ff).

Für den Fall der Schulgewalt und hier die spezielle Form der Gewalt gegen die Schule, also gegen Lehrer und Einrichtung, beschreibt Dubet die Ursachen dieser Gewaltform.

Schüler greifen zu diesem Mittel meist, nach einer, von ihnen als Niederlage erlebten Situation. Danach bleibt dem Schüler die Möglichkeit, entweder dies zu akzeptieren, oder rebelliert dagegen. Jetzt haben wir aber in der heutigen Schule das Problem, dass Versagen in der Schule auf das Individuum zurückfällt. Das heißt, es ist selbst Schuld dass es versagt hat. In dieser Situation bleibt wieder die Wahl zwischen Rückzug oder Protest. Hier ist aber der Knackpunkt. Ein geordneter, ziviler Protest ist nicht möglich wenn man selbst für seine Situation verantwortlich ist. Somit zwingt das System praktisch alle die sich damit nicht abfinden wollen in die Gewalt (Dubet, 232).

Unter dieser Prämisse ist natürlich ein Amoklauf nicht verwunderlich. Für die gesellschaftliche Wahrnehmung heißt das natürlich, dass durch die mediale Berichterstattung die Amokläufer noch mehr Aufmerksamkeit und entsetzen verursachen, da die vielen Schüler, die die Rückzugsvariante wählen nicht wahrgenommen werden. Somit ist auch das Ausmaß des Versagens, bzw. des subjektiv als Versagen angesehenen Situationen nicht messbar. Sie stechen also quasi als einzelne aus der anscheinend zufriedenen Masse heraus.

Damit stellt sich die Frage, wie man eine Alternative schaffen kann, die eine weitere, weniger destruktive Möglichkeit des Protestes zulässt.

Quelle:

Francois Dubet: Die Logik der Jugendgewalt. – Das Beispiel der französischen Vorstädte. In: Trotha, Trutz von [Hrsg.]: Soziologie der Gewalt. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 37/1997, Westdeutscher Verlag.

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Sozialisation wirkt

Martin Booker hat in seinem Blog ein Interview mit dem Psychologie Professor Girolamo Lo Verso von der Universität Palermo veröffentlicht.

Darin wird erschreckend klar, wie gut doch eine gezielte Erziehung wirken kann. Von Anfang an werden die Kinder zu künftigen Killern erzogen. Wie er berichtet haben diese nicht mal ein schlechtes Gewissen, dass sich eigentlich laut der Theorie irgendwann mal melden sollte. Eingebunden in ein starkes System mit harten Regeln, werden sie von allen „unnützen“ Mechanismen befreit, die sie an ihrem unmenschlichen Handeln hindert.

Positiv formuliert, könnte man sagen: Erziehung lohnt. Die Gesellschaft hat also mehr Einfluss, über die Sozialisation, auf den Menschen, als so mancher denkt.

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