Institutionalisierung, Internationalisierung und die Auswirkungen auf den Lebenslauf Teil II

Die Internationalisierung der Bildungspolitik: Konvergenz nationaler Pfade?

Kerstin Martens und Ansgar Weymann versuchen die Internationalisierung der Bildungspolitik anhand der EU und des Bologna-Prozesses, sowie der OECD am Beispiel der PISA Tests zu erklären.

Als theoretischen Erklärungsansatz nutzen sie den Neoinstitutionalismus und das darin enthaltene Konzept der institutionellen Isomorphie (vgl. Martens / Weymann, 245f).

Institutionelle Isomorphie ist, nach DiMaggio und Powell, die Bezeichnung für den Prozess der Angleichung von Institutionen. Die Institutionen sind in organisationale Felder eingebettet. Diese setzen sich aus allen für die Organisationen relevanten anderen Organisationen zusammen. Sie beschreiben also deren Umwelt. Isomorphie kann durch drei verschiedene Mechanismen erfolgen:

1. Durch Zwang. Also beispielsweise durch Gesetze oder gesellschaftliche Wertvorstellungen.

2. Durch Imitation. Dieser Mechanismus wirkt vor allem bei Entscheidungen in unsicheren Feldern. Wenn nicht klar ist, welche Methode die beste ist, so kopieren Institutionen die Strategie, die als besonders erfolgreich wahrgenommen wird.

3. Durch normativen Druck. Hier spielen besonders Professionen und ihre Organisationen, wie Berufsverbände, eine Rolle. Sie legen den Orientierungs-rahmen ihrer Mitglieder durch eine einheitliche Ausbildung fest und beeinflussen somit die Problemlösungsstrategien in Organisationen.

Die Effekte sind allerdings nicht separat zu sehen, sondern treten meist zusammen auf (vgl. Hasse / Krücken, 25ff).

Wie Weymann feststellt, ist Isomorphie allerdings nicht an Staatlichkeit gebunden. Schon im Mittelalter trug das Christentum zu einer Angleichung der Universitäten bei. Nach dem Jahr 1500 versuchten die aufkommenden Nationalstaaten die Bildung nach ihren Vorstellungen und Zielen zu prägen. Sie nutzten die Bildung als Integrationsmechanismus und sahen einen positiven Effekt auf die Wirtschaft (vgl. Martens / Weymann, 246f).

Meyer und Ramirez sehen im Rahmen der Neo-Institutionalistischen Theorie noch einen anderen Grund für die Angleichung der Bildungssysteme. Danach haben Nationalstaaten standardisierte Ziele und versuchen diese durch standardisierte Lösungen zu erreichen. Bildung ist hier ein zentraler Baustein um diese Entwicklungsziele zu erreichen. Die Staaten richten sich dabei nach einem Modell des modernen Nationalstaates, in dem Bildung ein wichtiger Baustein ist. Die Institutionalisierung der Bildung und deren Standardisierung hat den Druck auf die Nationalstaaten noch verstärkt (vgl. Meyer/Ramirez, 216ff).

Als „Kopiervorlage“ werden meist die Systeme der dominanten Länder genutzt. So wurde beispielsweise in den 1970er und 1980er Jahren japanische Standards als besonders gut empfunden, da die japanische Industrie sehr erfolgreich war. Heute gibt es viele Organisationen, wie die Weltbank, UNESCO oder die OECD, die Probleme und ihre Lösung definieren und so standardisieren. So bieten diese Organisationen eine allgemein anerkannte Lösung dar, die übernommen werden kann. Daher lautet ihre These auch, dass, je mehr ein Nationalstaat in das internationale System eingebunden ist, er desto eher die globalen Modelle übernimmt (vgl. Meyer/Ramirez, 219ff).

Meyer und Ramirez stellen auch die Frage, ob die Bildungssysteme nicht nur ähnlich, sondern auch zunehmend identisch werden. (vgl. Meyer/Ramirez, 229).

Literatur:

Meyer, J. W. / Ramirez, F.O. (2005): Die globale Institutionalisierung der Bildung. In: Meyer, J. W. Mit Krücken G. [Hrsg.]: Weltkultur: Wie die westlichen prinzipien die Welt durchdringen, Frankfurt a.M., S.212-234.

 

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