Geister in der Gesellschaft

Der Mitternachtssoziologe hat eine Folge über Geister in der Gesellschaft gemacht. Jetzt war ich die Tage im Übersee-Museum in Bremen und musste daran denken.

Dort werden Artefakte aus der weiten Welt ausgestellt, angefangen mit Stücken aus der Kolonialzeit, bis in die Heute. Dabei fielen mir zwei Stücke auf. Als erstes der abgebildete Stuhl. Der ist nämlich nicht für einen Menschen, sondern für die Ahnen gedacht. Er stand in einem Haus in Neu-Guinea, in dem die ältesten Männer des Dorfes zusammenkamen und berieten und diskutierten. Die Ahnen waren immer auch dabei und hatten so auch einen festen Platz in der Gesellschaft,  in dem Fall manifestiert durch diesen Stuhl.

Jetzt könnte man natürlich sagen, das ist ja alles Schnee von gestern. Da fiel mir dann das zweite Stück auf. Auf dem zweiten Bild ist ein mexikanischer Totenbaum zu sehen, der dort am Tag der Toten (Día de los Muertos)

Dieses Fest stammt noch aus der vorchristlichen Zeit von den Azteken. Es hat sich schließlich mit dem christlichen Glauben vermischt. Daher liegt der Feiertag auch auf dem Datum von Allerheiligen.

Dort glaubt man, dass die Toten einmal im Jahr zurückkommen und mit den Lebenden ein großes Fest feiern. Der Tod wird dort auch nicht so tabuisiert, wie hierzulande.

Der christliche Glaube beinhaltet ja auch ein Leben nach dem Tode und den weiteren Einfluss von Heiligen, beispielsweise der Jungfrau Maria, auch wenn diese im Normalfall nicht mehr auf der Erde weilen. Erscheinungen von Heiligen gibt es dort aber auch.

Da wäre wohl mal ein Religionssoziologe gefragt, wie man Geister und Geistererscheinungen soziologisch erklärt.

 

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30 Responses to Geister in der Gesellschaft

  1. Sonntagssoziologe says:

    Ob der Ahne noch draufsitzt? Er kann ja nicht weg durch das Glas.

    • Soziobloge says:

      Lassen sich Geister von Glas abhalten? Ich dachte nur durch Salz auf den Fensterbänken. Haben sich die Geisterabwehrmethoden eigentlich auch mit der Zeit gewandelt? Auf jeden Fall ist die Lehne vom Stuhl eine Figur mit eindeutigem Geschlechtsteil. Ob das die Ahnen anlocken sollte ist mir nicht bekannt. Die Seite habe ich natürlich aus Jugendschutzgründen nicht fotografiert.

  2. Sonntagssoziologe says:

    Ich kann die exklusive Zuständigkeit der Religionssoziologen für Geisterfragen nicht ohne weiteres akzeptieren. Es gibt ja auch nichtspirituelle Geistertheorien.

  3. Marla says:

    Hmm … Geister, die sich durch Geschlechtsteile anlocken lassen. Hieße das nicht, sie hätten noch einen Geschlechtstrieb? Dann kann es bei den hier anzulockenden Ahnen aber kaum um Gespenster handeln, sind dies doch (wie wir beim Sonntagssoziologen lernten) Seelen ohne Körper. Gespenster, Geister, Ahnen … ich bin verwirrt.

  4. Sonntagssoziologe says:

    Wir Ahnen, nein wir ahnen um deine Verwirrung. Homosexuelle und weibliche Geister lassen sich vom Fallusstuhl sicher anlocken. Insofern ein sehr patriarchialisches feministisches Symbol, würde ich sagen. Wie ich doch aber auch schon in meinen Vorlesungen zur Geisterstunde erläutert habe, kommen Geister, um eine Aufgabe zu erledigen. Wenn nun z.B. diese Aufgabe in einem unvollendetem Geschlechtsakt bestand, kann sich so ein Geist auch von so einem Stuhl angezogen fühlen. Das hat dann aber nichts mit Geschlechtstrieb zu tun, sondern mit Erledigung von unfertigen Aufgaben.

  5. Bebbi says:

    Wann kommen die Geister, um meine unfertigen Dinge zu erledigen? Kann man da soziologisch eine Prognose wagen? :-)

  6. Sonntagssoziologe says:

    Aber du kennst schon die Warnung, die Geister, die ich rief?

  7. Marla says:

    Ob in der Geisterwelt wohl Arbeitsteilung herrscht? Womöglich sind sie sogar gewerkschaftlich organisiert! Als ihre Arbeitgeber sollten wir uns wirklich schlagkräftiger verbünden und bessere Konditionen aushandeln. Auch meine unerledigten Dinge lassen sie einfach so liegen!

  8. Sonntagssoziologe says:

    Denken wir immer daran, wie leicht wir selbst zu Geistern werden können und dann stehen wir auf der anderen Seite der sozialen Hängematte.

  9. Bebbi says:

    Guten Abend meine Damen und Herren zur Tagesschau. Wie der Arbeitgeberverband der guten und bösen Geister heute mitteilte, kam es bisher zu keiner Einigung mit der Arbeitnehmerseite. Besonders strittig ist die Frage der Dokumentation der Geistestaten … ;-)

    Vielleicht zählen ja Geister mit zum Bereich der Kirchen und ihren Sozialkonzernen. Dann würde dort ja der Dritte Weg gelten, so von wegen Dienstgemeinschaft.

  10. Marla says:

    Mit dem Dritten Weg wäre den Geistern das Streiken jedoch weitgehend untersagt. Meine sich hier stapelnden, unerledigten Dinge weisen jedoch eindeutig auf einen Streik hin. Zudem bezweifel ich doch sehr, dass die Kirchen Geister beschäftigen, die sie von Phallusstühlen anlocken lassen und unvollendete Geschlechtsakte vollziehen (zumindest, wenn es sich dabei nicht um solche zur Nachwuchszeugung handelt …).

  11. Sonntagssoziologe says:

    Vielleicht befinden sich die Geister gerade im Generalstreik? Darum kommen sie im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten heute kaum noch vor. Denn Geister haben andere Zeitmessungen, da sind ein paar hundert Jahre nix.

  12. Bebbi says:

    Vielleicht sind die Geister ja in einer Körperschaft öffentlichen Rechtes organisiert, die von den allgemein bekannten „religiösen“ Großkonzernen unabhängig ist. Dort könnte der Dritte Weg ja auch gelten. Und wer nicht streiken darf, kann ja immer noch Engagement verweigern etc. Dann sieht man halt nicht, dass da was zu tun ist, oder verweist auf die Zuständigkeit einer anderen Abteilung und irgendwann ist das gegenseitige Verweisen und Weiterleiten so umfangreich, dass für anderes keine Zeit bleibt.

  13. Marla says:

    Haha, das klingt ja schon fast nach einer bürokratischen Organisation im Geiste Michel Croziers.

  14. Bebbi says:

    Amt für Geistesinterventionen in humane Sphären, Abt. Deutschland, Arbeitsgruppe Soziologen sitzt An der Himmelpforte 4

    ;-)

  15. Sonntagssoziologe says:

    Die Frauen hier in der Runde intellektualisieren doch nur rum, weil sie enttäuscht sind, dass der Stuhl nicht anders herumsteht. tut mir Leid, dass ich das so direkt sage, aber die Wissenschaft ist nunmal der Wahrheit verpflichtet! :P

  16. Marla says:

    Sonntagssoziologe, der Frauenversteher … Nein, wie konnte ich deine Kernkompetenz nur vergessen? Dabei ist sie doch so überwältigend und vielfach belegt, dass Frau sich ihr nur noch unterwerfen, und dir zustimmen kann!

    Bebbi, vielleicht sollten wir den Frauenflüsterer in Zukunft gleich fragen, was wir denn wirklich denken und begehren. Nicht, dass wir erneut auf komische Gedanken kommen.

  17. Bebbi says:

    *bebbi ist dem Geschlechtsstandes nach männlich* ;-)

    Und was wäre anders, wenn der Stuhl um 180° gedreht stehen würde? Wer sich über soetwas Gedanken macht, der muss in intellektuellen Sphären schweben .. oder? :-)

  18. Marla says:

    … und wieder einmal behält Simone de Beauvoir recht: „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es“ … und sei´s auch nur durch einen uneindeutigen Namen ;-)

  19. Marla says:

    Zumindest ist dir jetzt das Glück vergönnt, dass deine Kommentare in Zukunft auch von Chauvinisten wie unserem Sonntagssoziologen erst genommen werden … *grübel* vielleicht sollte ich mich in Zukunft ja Horst nennen?

  20. Sonntagssoziologe says:

    Jetzt fühle ich mich aber diskriminiert. Meiner These werden chaivinistische Motive unterstellt, nur weil ich keine Frau bin. Das heißt wohl, nur Frauen können nichtchauvinistische Thesen aufstellen? Und sowas zum Weltmännertag, der heute ist. :_(

  21. Sonntagssoziologe says:

    … zur Beruhigung der Gemüter sollten wir uns statt über den Stuhl über das andere Foto dieses Artikels unterhalten, das ja nun wirklich ein Frauenmotiv ist, da es eine Vase mit Blümchen enthält.

  22. Soziobloge says:

    Meine Güte. Hier is ja was los. Hier sind alle willkommen. Da mach ich mal was geisterhaftes und schon kommen Kommentare. Vielleicht lags aber auch eher an anderen Sachen. Ob ich mich der Spukologie zuwenden sollte?

  23. Marla says:

    Ich fühle mich in keinster Weise zuständig für Vasen mit Blümchen. Mein Nachbar ist Hausmann. Vielleicht sollte ich den mal zurate ziehen.

  24. Marla says:

    Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass der Weltmännertag keinesfalls der Vergebung von Männersünden, oder etwa äquivalent dem Frauentag den Männerrechten gewidmet ist, sondern vornehmlich Männer zu einem gesünderen Lebensstil erziehen will. Solltest du also heute brav deinen Salat gegessen und eine Runde im Park gejoggt sein, will ich dir, wie auch allen anderen Männern in dieser Runde, herzlich gerne zum Weltmännertag gratulieren.

  25. Bebbi says:

    Was für Geschlechterklischees, Herr Sonntagssoziologe, Vase mit Blümchen als Frauenmotiv zu erkennen. :-) Auch männliche Geschlechtsteile sind – zu mindestens für hetro- oder bisexuell veranlagte Frauen – zumindestens hin und wieder von Interesse für die Damenwelt.

    Horst klingt, liebe Marla, nun auch nicht nach wissenschaftlicher Elite. Namen sind auch nicht neutral, wie wir ja aus der Untersuchung wissen, dass Lehrer mit bestimmten Namen auf der Liste ihrer zukünftigen Klasse bereits klare Assoziationen verbinden. „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose.“

  26. Bebbi says:

    Außerdem ist noch zu rügen, dass in dem Blogeintrag theologische Halbwahrheiten verbreitet werden.

    Der christliche Glaube beinhaltet ja auch ein Leben nach dem Tode und den weiteren Einfluss von Heiligen, beispielsweise der Jungfrau Maria, auch wenn diese im Normalfall nicht mehr auf der Erde weilen. Erscheinungen von Heiligen gibt es dort aber auch.

    Heilige gibt es nur in der katholischen Kirche, einer Abspaltung von der protestantischen Tradition in Zeiten der s. g. Reformation.

  27. Bebbi says:

    Und dann sollte man auch noch mal dem Herrn Sonntagssoziologe auf die Finger schauen:

    Ich kann die exklusive Zuständigkeit der Religionssoziologen für Geisterfragen nicht ohne weiteres akzeptieren. Es gibt ja auch nichtspirituelle Geistertheorien.

    Die Religionswissenschaft diskutiert seit über 100 Jahren, was eigentlich Religion sei. Also: Wie definierst du Religion? Erst dann kann man darüber diskutieren, ob Geister ein genuin religionssoziologischer Topos sind oder nicht.

  28. Bebbi says:

    Bei meiner Neu-Lektüre der Kommentare gibt es gleich noch eine Anmerkung. ;-)

    Marla sagt nämlich:

    Geister, die sich durch Geschlechtsteile anlocken lassen. Hieße das nicht, sie hätten noch einen Geschlechtstrieb? Dann kann es bei den hier anzulockenden Ahnen aber kaum um Gespenster handeln, sind dies doch (wie wir beim Sonntagssoziologen lernten) Seelen ohne Körper. Gespenster, Geister, Ahnen … ich bin verwirrt.
    Ist Sexualtrieb denn ganz sicher eine körperliche Angelegenheit oder nicht vielleicht doch auch eine der Seele z. B.? Dann könnten auch Gespenster via ihre Seele diesen besitzen. Und auch die Alltagsbeobachtung in deutschen Reihenhäusern – man würde zwar gerne mal wieder, aber die Trägheit des Körpers … – liefert durchaus Hinweise auf die Verortung des Sexualtriebes außerhalb des Körpers. :-)

  29. Sonntagssoziologe says:

    Mich der Nichtemanzipation zu verurteilen ist höchst ungerecht(fertigt). Habe ich mich doch in meiner gesamten Podcastkarriere immer wieder brisanten Emanzipationsfragen gestellt. Z.B. hier: http://sonntagssoziologe.podspot.de/files/sonntagssoziologe_frage01_haushalt.mp3

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