Frieden für die Welt…

… oder doch lieber Krieg?

Das war die Frage im Seminar zum Thema Deutsche Außenpolitik – Krieg oder Frieden?

Als erster Referent trat Bernhard Nolz auf. Träger des Aachener Friedenspreises und wegen einer Rede für den Frieden kurz nach den Anschlägen von New York 2001 von seiner Schule strafversetzt. Aktiv im Zentrum für Friedenskultur in Siegen.

Er plädierte für die Abschaffung des Militärs. Seiner Meinung nach würde eine gewaltfreie, zivile Form des Widerstandes viel effektiver sein. Damit sollen die „Besatzungskosten“ möglichst hoch sein. Da er davon ausgeht, dass ein Besatzer an größtmöglichem Nutzen interessiert ist. Nolz geht es nicht um den Schutz der Grenzen, also des staatlichen Territoriums, sondern um den Schutz der Menschen. Diese sollen Flugblätter drucken, Produktion und Infrastruktur sabotieren und ähnliches. Zudem ist er für eine Stärkung demokratischer Strukturen zum Beispiel in der UN.

Das sind natürlich alles schöne Ziele. Dieses Konzept ist mir selbst nicht unbekannt. Ich habe mich vor Jahren mal damit beschäftigt und fand es zu Anfang auch nicht schlecht. Es mag vielleicht in manchen Situationen auch passen. Doch hat diese Theorie einige schwere Schachpunkte. Zum Einen ist es wesentlich einfacher militärischen Widerstand zu organisieren als zivilen Ungehorsam, bei dem schon eine Menge Menschen unabhängig voneinander mitmachen müssen um effektiv zu sein. Der friedliche Aufbau eines Staatsystems aus sich selbst heraus hat eigentlich kaum funktioniert. Immer gab es Gewalt. In Afghanistan hätte es nach dieser Theorie funktionieren müssen, als sich die Russen zurückzogen. Doch das Land wurde vom Bürgerkrieg zerstört und eine Gruppe religiöser Fanatiker kam an die Macht. Normbrüche wurden sofort und gewalttätig bestraft. Wer diskutieren wollte wurde einen Kopf kürzer gemacht. Ein friedlicher Widerstand gegen eine Macht, die nur an der Beherrschung und Zerstörung alles „Andersdenkenden“ interessiert ist, ist ohne Gewalt nicht beizukommen.

Natürlich war er auch gegen die Einsätze in Afghanistan. Doch eins ist klar, und das sagen auch viele die dort her kommen, wenn die Nato Truppen abziehen (Zur Zeit ca 60.000 Soldaten), werden die Taliban erneut das Land erobern und ihre Schreckensherrschaft installieren. Als Alternative schlug Nolz vor, statt Soldaten, ausgebildete Friedenshelfer zu schicken. Ich glaube aber kaum, dass die Taliban lange mit denen verhandeln werden…

Insgesamt ja eine schöne Theorie, doch in der Praxis kaum bis nicht umzusetzen. So musste er auch bei gezielten Nachfragen zur Praxistauglichkeit meistens passen.

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Das Bevölkerungsgesetz von Thomas Robert Malthus

Im Jahr 1798 veröffentlichte Malthus seine Gesetze zur Entwicklung der Bevölkerung, auf die sich später Charles Darwin beziehen wird. Er geht davon aus, dass bei zunehmenden Subsistenzmitteln die Vermehrung der Bevölkerung exponentiell zunimmt. Das bedeutet wiederum, dass die Subsistenzmittel wieder knapp werden und es zu einer Verarmung der Bevölkerung führt. Continue reading

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Was bedeutet es, Amerikaner zu sein?

Bei der Abschlussveranstaltung des Forum Siegen, ging es um das Thema „Was heißt es, ein Amerikaner zu sein.“ Es sprach zum Thema Prof. Dr. Hans Vorländer. Das gesamte Semester stand unter dem Titel „Amerika – Eine kritische Landeskunde“. Davon hatte auch das amerikanische Konsulat mitbekommen und der Herr Generalkonsul Boyse war begeistert davon, das man sich auch in der Provinz mit seinem Heimatland auseinandersetzt. Er war auch zugegen und versuchte es aus seiner Sicht zu beschreiben, konnte aber keine befriedigende Antwort geben. Was auch verständlich ist, immerhin streitet man sich ja bei uns auch, was es heißt ein Deutscher zu sein. Continue reading

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Studenten für den Krieg

Im Seminar „Menschenrechte in Filmen“ schauten wir uns den Film „Hotel Ruanda“ an. Danach kam die Frage auf, warum dieses Massaker nicht verhindert wurde. Unter dem Eindruck des Films, waren sich eigentlich alle einig, dass man etwas gegen ein solches Massaker tun müsse, notfalls militärisch. Das wunderte mich schon etwas als plötzlich für Kampfeinsätze der Bundeswehr zum Schutz von Opfern von Völkermorden gesprochen wurde. Schließlich will man ja eigentlich keine Gewalt anwenden und alles friedlich lösen. Man hat ja auch gesehen wie lange es gedauert hat bis im ehemaligen Jugoslawien eingegriffen wurde. Es erklärten sich auch recht viele spontan dazu bereit, an einer Demonstration in Berlin teilzunehmen. Die Frage ist natürlich ob das nach einer Woche noch der Fall ist, wenn die Eindrücke des Filmes verblasst sind. Aber immerhin lässt sich langsam eine Änderung des verhängnisvollen Pazifismus und „Frieden um jeden Preis“ erkennen.

Die Forderung ist natürlich utopisch, aber durchaus berechtigt. Einerseits spuckt man große Töne, das es die Verantwortung Deutschlands und der Welt wäre, einen Völkermord in jedem Falle auch militärisch zu beenden. Und nach den UNO Grundsätzen sind die Mitgliedsstaaten auch verpflichtet dies zu tun, doch wenn es hart auf hart kommt wird nichts getan. Wer den Amerikanern vorwirft, sich nur dort zu engagieren, wo ihre Interessen tangiert sind, sollte vielleicht erstmal vor der eigenen Haustüre nachsehen. Und auf die Frage, warum die Amerikaner immer irgendwo eingreifen, kann man ganz einfach antworten, weil es sonst niemand tut.

Das Ganze ist natürlich nur ein Symptom eines Systems das eine doppelte Moral fördert. Während wir darüber diskutieren, ob man guten Gewissens noch die Olympiade in China anschauen kann, gehen in anderen Gegenden die Menschen auf die Barikade, weil sie sich nichts mehr zu essen leisten können. Das Problem dabei ist, dass man einerseits einfach kein konsequentes Handeln an den Tag legt, und sich nicht mal entschieden hat was man will.

Wenn man die Menschenrechte, die eine Erfindung der Europäer sind, weltweit verbreiten und schützen will, dann müsste man auch bereit sein dies notfalls mit Waffengewalt zu tun. Das heist nicht, dass man jetzt wegen jedem bischen in ein Land einmarschiert, doch bei solchen Fällen, wo massenweise Menschen abgeschlachtet werden, kann man nicht einfach danebenstehen. Wie fatal das Nichteingreifen im Falle Ruanda war, davon kann der damalige UN Befehlshaber General Dallaire ein Lied singen.

Was wäre also zu tun? Die schon seit Jahren geplante schnelle Eingreiftruppe der EU müsste endlich aufgestellt werden und auch explizit dafür einen Auftrag haben. Die Bundeswehr müsste endlich auf die heutigen Anforderungen angepasst werden und zu einer gut ausgebildeten und ausgestatteten Berufsarmee werden. Wesentlich kleiner, aber dafür besser ausgestattet. Man könnte natürlich auch eine Fremdenlegion nach französischem Vorbild aufbauen. Statt ein bewaffnetes Rotes Kreuz oder THW zu sein, müsste man die Bundeswehr auf Kampfeinsätze in allen Gebieten der Welt vorbereiten. Dazu müsste man aber die Dinge beim Namen nennen. Und dazu sehe ich die Politik zur Zeit nicht in der Lage. Es wird aus verschiedenen Gründen an einem System festgehalten, durch das die Bundeswehr schon bei den derzeitigen Auslandseinsätzen vollkommen überfordert ist, dabei sind „nur“ ca. 7380 Soldaten im Einsatz.

Artikel im Stern über die Vorgänge bei der UNO

Ein Artikel von Dalleire in der TAZ

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Menschenrechte Teil 5 – Das Fazit

Pünktlich vor Weihnachten gibts jetzt noch das Fazit der Serie.

Wie man an den dargestellten Entwicklungen sieht, ist die Zukunft der Menschenrechte ungewiss. Ob sie zu einer reinen Phrase verkommen, an die sich nicht mal mehr die „Erfinder“ halten, oder ob man sich weltweit auf einen gewissen Grundstandard einigen kann und die einzelnen Kulturkreise einen eigenen Begriff entwickeln, der zumindest die Garantie enthält, dass die grundlegenden, Leib und Leben betreffenden Grundrechte anerkannt und geschützt werden muss die Zeit erst noch zeigen. Continue reading

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Menschenrechte Teil 4-2 – China

Um die Situation in China zu verstehen, muss man in die Geschichte sehen. China ist durch den Konfuzianismus geprägt. Die Lehren von Konfuzius und deren Varianten waren von etwa 200 v. Chr. bis 1911 n. Chr. Basis des staatlichen und gesellschaftlichen Systems. Der Konfuzianismus entstand in einer Zeit von politischer Instabilität, daher ist sein Ziel, eine universal gültige Ordnung herzustellen (vgl. Hucke, 321f). Continue reading

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Menschenrechte Teil 4-1 – Aktuelle Entwicklungen

Entwicklung zum Sicherheitsstaat und Sicherheitsgesellschaft – Eine Gefahr für die Menschenrechte

Die Entwicklungen seit den Anschlägen vom 11.9.2001 haben die Schlagwörter „Sicherheit“ und „Prävention“ in den Vordergrund gestellt. Natürlich ist dies nicht aus dem Nichts heraus entstanden, sondern auch die Folge einer vorhergehenden Entwicklung.

Das klassische Strafrecht, aus der Zeit der Aufklärung, hatte den Zweck, das Recht, das durch den Rechtsbruch angegriffen wurde, wieder herzustellen bzw. zu stabilisieren. In der Staatstheorie vom liberalen Rechtsstaat kommt die Zweckbindung des Staatsrechts auf. Mit Strafen soll erzogen und der Gesellschaft nützliches getan werden. Franz von Liszt formulierte schon 1905, das die Prävention als soziale Kontrolle dienen sollte, wobei die Präventionsmaßnahmen ein weites Spektrum umfassen, unter Anderem auch die Sozialpolitik. Zugleich differenziert er zwischen Gelegenheitstätern und dauernd Straffälligen. Hier wird also die schwere der Strafe nach der Gefährlichkeit des Täters festgelegt. Der Sozialstaat steht hier im Vordergrund (Albrecht, 45f). Continue reading

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Gründe für oder gegen Kinder

Welche Faktoren spielen eine Rolle bei der Entscheidung für oder gegen Kinder? Wann wird ein Paar für ein zweites oder drittes Kind entscheiden. Wassilios Fthenakis hat dazu eine qualitative Panelstudie durchgeführt. Hier ein paar Ergebnisse.

Die Zahl derjenigen, die wirklich keine Kinder haben wollen, liegt bei ca. 5% (vgl. Pfundt, 15). Die Frage ist, was einen Teil der restlichen 95% davon abhält überhaupt Kinder zu bekommen oder es bei einem Kind zu belassen? Das hängt von einer Reihe von Faktoren ab, die in einem sehr komplexen Verhältnis zueinander stehen. Neben den gesellschaftlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen spielen auch noch individuelle Einstellungen und Präferenzen eine Rolle (vgl. Fthenakis, 199).

Heutzutage werden Kinder nicht mehr als Altersvorsorge angesehen. Kinder sollen dem eigenen Leben einen Sinn geben, oder gesellschaftliche Anerkennung bringen. Allerdings sind Kinder auch ein Kostenfaktor. Zum einen durch direkte Kosten für Essen, Kleidung usw., zum anderen, besonders für Frauen bedeutsam, durch die Kosten in Form von Einkommensverlusten durch die Unterbrechung der Berufstätigkeit. Bei zwei Kindern sind 80% der Mütter nicht mehr berufstätig, zwei Drittel davon würden aber gerne wieder arbeiten. Je besser die Ausbildung und der berufliche Status einer Frau ist, desto höher sind diese Kosten in Form von Einkommensverlusten. Zudem wird das Ausscheiden aus dem Beruf oft als soziale Isolation erlebt. Weitere Kosten sind die psychische und physische Belastung durch die Betreuung des Kindes, sowie die Belastung der Paarbeziehung. Die Einschätzung der Belastung beruht bei kinderlosen Paaren vor allem auf den Erfahrungen in der Herkunftsfamilie und bei Eltern auf den Erfahrungen mit den bereits vorhandenen Kindern (vgl. Fthenakis, 200f).

Durch die Komplexität der verschiedenen Einflussfaktoren lassen sich nur bedingt verlässliche Aussagen über die Größe der jeweiligen Einflüsse machen. Dazu müsste man einen großen Zeitraum in einer Studie abdecken. Dies ist aber meist aus forschungspraktischen Gründen nicht der Fall (vgl. Fthenakis, 204).

Die Ergebnisse der LBS-Familienstudie zeigen, dass der Zeitpunkt der Geburt des ersten Kindes vor allem von der Ausbildungsdauer der Frau abhängt. Dies hängt damit zusammen, dass die Frauen sich zunächst eine gute Basis schaffen wollen, später wieder in den Beruf zurückzukehren. Hier spielt wohl auch eine Rolle, dass in der deutschen Gesellschaft noch das Leitbild er Hausfrau und Mutter vorherrscht, die sich zumindest in den ersten Lebensjahren des Kindes ausschließlich um dieses kümmert. Mangelnde Betreuungsangebote, gerade für unter 3 Jährige und der im Hinblick auf Kinder unflexible Arbeitsmarkt tun ein Übriges dazu (vgl. Fthenakis, 205).

Grundsätzlich besteht für den reinen Kinderwunsch kein Zusammenhang mit der beruflichen Situation der Frau. Eher spielen die Erfahrungen in der Herkunftsfamilie eine Rolle. Insbesondere besteht hier ein Zusammenhang mit der Geschwisterzahl der Frau. Hat sie mehrere Geschwister gehabt, so erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie für weitere eigene Kinder ist. Ebenso spielt die Erfahrung mit den Eltern eine wichtige Rolle (vgl. Fthenakis, 213).
Als günstig für den Wunsch nach einem zweiten Kind haben sich die folgenden Faktoren erwiesen. So ist es von Vorteil, wenn die Partner noch relativ jung bei der Geburt ihres ersten Kindes sind, die Frau ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern hat, sowohl in ihrer Kindheit als auch aktuell, wenn die Frau das Kind als positiv für die Partnerschaft ansieht und wenn beide Eltern den Umgang mit ihrem ersten Kind als Freude empfinden (vgl. Fthenakis, 215).

Als ungünstig hat es sich erwiesen, wenn die Frau mit ihrer Rolle als Mutter unzufrieden ist, sie viel Hausarbeit nach der Geburt ihres ersten Kindes alleine erledigen muss, sowie eine negative Einstellung zur Rolle der Hausfrau vor der Geburt des ersten Kindes. Weiterhin sind ein hoher beruflicher Status der Frau und der Grad der Attraktivität des Berufes für die Frau ein Hindernis für weitere Kinder (vgl. Fthenakis, 218f).

Generell hat die Frau den entscheidenden Einfluss auf die Geburt eines zweiten Kindes. Der Kinderwunsch des Mannes wird vor allem von der Einstellung der Frau beeinflusst (vgl. Fthenakis, 215). Die entscheidende Phase ist die von der Geburt bis 1,5 Jahre danach (vgl. Fthenakis, 218).

Entscheidend dabei ist die Lebensplanung der Frau. Je nachdem ob sie familien- oder berufsorientiert ist, wird sie eher dazu tendieren ein zweites Kind zu bekommen oder nicht. Der eigentliche Wunsch nach einem weiteren Kind unterscheidet sich dabei aber nicht. Die berufsorientierte Frau wird dabei aber eher dazu neigen dem Beruf den Vorzug zu geben. Sie will Beruf und Familie verbinden und stößt dabei auf strukturelle Probleme (vgl. Fthenakis, 223f).

Literatur:

Fthenakis, Wassilios, E., Kalicki, B., Peitz, G.: Paare werden Eltern. Ergebnisse der LBS-Familien-Studie, Leske + Budrich, Opladen, 2002.

Pfundt, Karen: Die Kunst, in Deutschland Kinder zu haben, Argon, Berlin, 2004.

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