Make Diskurs great again

Als Ergänzung zu http://www.advdiaboli.de/2016/11/10/einfach-mal-die-fresse-halten-und-machen/ und https://vrouwel.wordpress.com/2016/11/13/fresse-halten-machen-oder/ sowie meinem Artikel zum Thema  möchte ich noch ein paar Sachen genauer ausführen. Ausgangspunkt ist diese Unterhaltung auf Twitter, in der unter anderem auf dieses YT Video von Jonathan Pie und den Artikel von Sibylle Berg verwiesen wird.

Dies alles fast nochmal zusammen, woran es bei der US Präsidentschaftswahl und drumherum gehapert hat.  Und auch in Deutschland wunderte man sich über die Wahl in Mecklenburg Vorpommern und das gute Abschneiden der AfD. Hält auch nochmal fest, dass Clinton nicht verloren hat, weil sie eine Frau ist, sondern weil sie das bisherige System repräsentiert wie kaum ein anderer und das Argument, sie ist besser als Trump, nunmal kein überzeugendes Argument ist und für viele wohl auch nicht war. Das fehlt mir übrigens auch in der politischen Diskussion in Deutschland. Es wird immer gesagt. Wofür die AfD steht, aber niemals wofür die anderen Parteien und was genau daran besser ist. Theoretisch ist das zwar klar, aber die fehlende Artikulation macht es nicht besser. Wenn man sich nur über das Gegenteil dessen Definiert, was der politische Gegner ist, dann wird man von diesem Abhängig. Und man lenkt die Aufmerksamkeit von sich weg. Ich wage mal zu bezweifeln, dass dies eine sinnvolle Strategie ist.

Aber das nur am Rande und als Rahmung. Des Pudels Kern für mich, ist die fehlende Diskussion. Man sagt den Linken ja gerne nach, sie würden alles totdiskutieren, zumindest intern. Nach außen hin wurde aber eben nur noch per Beschimpfungen, Schubladen und wohl klingenden –ist und –ismen um sich geworfen.  Jeder der die falschen Worte benutzt oder offen zugibt Sympathie für Trump und Konsorten zu haben, wurde zum Sexisten, Rassisten oder sonst was abgestempelt. Das Problem ist, es führt zu nichts. Zum einen, es stimmt einfach nicht für die große Mehrheit. Klar gibt es diejenigen, die Clinton nicht gewählt haben weil sie eine Frau ist, oder Obama weil er Schwarz ist. Andere wiederum wollen wirklich eine rein weiße Bevölkerung oder wollen Schwule, Muslime usw. in Lager stecken. Das sind aber die Extreme. Diese Leute kann man dann auch nicht mehr mit guten Worten erreichen. Aber dieser kleine Prozentsatz wird es immer geben und hat es immer gegeben. Damit muss man sich halt abfinden. Finde ich auch nicht gut, aber es gibt wichtigere Zielgruppen.

Ich möchte die in der Mitte erreichen. Es ist nicht alles Schwarz und Weiß. Die Meisten Menschen sind da eher grau. Sie sind weder heilige noch Dämonen. Sie wollen einfach nur ein sicheres Leben führen und haben verständlicherweise auch nur ihre eigene Sichtweise aus ihrer Situation heraus.

Was nämlich passiert, wenn man Leute offen in Schubladen packt und sie beschimpft, sollte ja eigentlich jeder wissen. Das (un)lustige ist ja, dass das von Leuten kommt, die selbst nicht in Schubladen gesteckt werden wollen und Toleranz predigen. Mal so als Beispiel, wenn man sagt, „Homosexuelle sind auch nur Menschen“, dann muss man auch sagen, dass Menschen die etwas, aus welchem Grund auch immer, gegen diese Gruppe haben, auch erstmal Menschen sind. Wenn wir von dieser Prämisse ausgehen, dann ist der erste Schritt getan. Man muss die Leute ernst nehmen, und zwar nicht im Sinne von, ihren Forderungen mehr oder minder uneingeschränkt zu entsprechen, was ja in Deutschland seit Jahrzehnten in der Politik gang und gäbe ist, sondern, klar zu machen, ich bin zwar anderer Meinung, aber ich höre dir wirklich zu und nehme die Argumente ernst. Das muss natürlich auch die Gegenseite tun. Ansonsten wird die Sache recht einseitig. Sofern das der Fall ist, dann ist die Diskussion schon mal im Gange. So weit so gut.

Anmerkung: Um jetzt keine Diskussion wie „man kann doch keine rechten Meinungen übernehmen!!“ aufkommen zu lassen, soll das folgende eher als allgemeiner Vorschlag betrachtet werden. Und wie ich schon ausführte, gilt dies vor allem für diejenigen die keine Extremisten sind, sondern noch irgendwie erreichbar.

Die Zielsetzung: Die Zielsetzung ist natürlich, den jeweils anderen von seiner Meinung zu überzeugen. Und das ist einerseits verständlich, birgt aber auch eine Gefahr. Nämlich dann, wenn es zu einer Erwartungshaltung wird. Wenn also erwartet wird, dass der Andere am Ende der Diskussion sagt, ja du hast Recht ich bin jetzt deiner Meinung. Das wird natürlich nicht immer passieren. Vielleicht hat man nur zum Nachdenken angeregt oder die Meinung wurde nur teilweise geändert. Das ist wohl dann eher die Regel als die Ausnahme. Deswegen sollte man aber weiterhin nicht sagen, der/die ist blöd. Vielleicht waren nur die eigenen Argumente noch nicht gut genug. Andererseits sollte man eben auch selbst offen sein für die Argumente der anderen um besser zu verstehen, warum sie der Meinung sind. Verständnis ist eben auch der Weg um zu lernen. Ist jedenfalls meine Prämisse. Die Zielsetzung wäre also erst einmal verstehen und lernen und dadurch den eigenen und den anderen Standpunkt besser zu verstehen und damit auch die eigenen Argumente zu schärfen.

Kommen wir nochmal auf die bereits erwähnte Erwartungshaltung an. Ich glaube das ist das wichtigste überhaupt, weil sie unterschwellig die eigenen Ansprüche an Diskussionen und das Verhalten in diesen steuert. Ich kann hier nur für mich sprechen und einen Vorschlag unterbreiten.

Ich erwarte, dass man meinen Argumenten erst einmal zuhört und ernst nimmt und sollte sich im Verlauf der Diskussion herausstellen, dass ich nicht umstimmbar bin, sondern weiterhin meine Argumente für besser halte, dies auch anerkannt und toleriert wird. Dass ich nicht beschimpft und persönlich beleidigt werde, nur weil ich meine Meinung beibehalte. Demokratie und Pluralismus sind anstrengend und man muss damit leben, dass es viele andere Menschen mit einer anderen Meinung gibt. Das muss man aushalten. Alles andere führt nur in den Totalitarismus. Um auch mal einen –ismus anzubringen. ;-) Gleichzeitig verhalte ich mich natürlich ebenso. Ich versuche meine Filterblase in den sozialen Medien möglichst vielfältig zu halten und blocke nicht einfach Leute, nur weil ich deren Meinung nicht gut finde. Es gibt viele Sachen, die ich nicht gut finde, und trotzdem spreche ich Menschen nicht das Recht ab dies weiterhin zu tun, sofern sie damit niemandem schaden oder gegen Gesetze verstoßen. Dasselbe verlange ich eben auch für mich.

In der Politik heißt das eben auch, dass man klar machen muss wofür man steht, und nicht nur sagen, die anderen sind der Teufel, wählt lieber uns weil wir kämpfen für die „gute Sache“.  Man sollte nie vergessen, für die „gute Sache“ sind Millionen gestorben, für die „böse Sache“ wahrscheinlich kein einziger.

Wie ich schon in der Diskussion auf Twitter anmerkte, wenn es mal wieder zu einer richtigen Diskussion kommt, jeder mal einen Schritt zurück geht und sich entspannt, dann hat sich der Wahlsieg Trumps wohl gelohnt. Niederlagen sind auch immer eine gute Gelegenheit zu lernen und besser zu werden. Die perfekte Welt wird es niemals geben, aber man kann sie eben auch etwas besser machen, indem man Menschen wie eben solche behandelt und mit ihnen redet statt über sie.

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Einfach mal die Fresse halten, solidarisch sein, machen und mal entspannen

Der Advi hat einen Artikel geschrieben und  die Vrouwelin hat dazu etwas ergänzt. Und jetzt möchte ich dazu auch noch etwas sagen.

In ersterem Artikel geht es darum, nicht nur irgendwelche Rechte für Minderheiten einzufordern und ansonsten halt zu jammern, dass man dies oder jenes nicht machen kann, oder dafür kritisiert wird, sondern man soll es halt machen. Das bedeutet natürlich auch, diese Kritik, die von anderen kommt auch auszuhalten. Gleichzeitig wird man damit aber auch Leute erreichen, und ich denke das ist die Mehrheit,  die durch Kontakt damit erkennen, dass man auch nur ein „normaler“ Mensch ist.

Dazu scheibt er als Antwort auf die Fragen in den Kommentaren:

„Der ganze Backlash kommt von diffusen Ängsten, diffusen Ansprüchen und zu viel indirekter Kommunikation. Ich habe eine Flüchtlingsklasse unterrichtet, das einzige was ich daraus gelernt habe ist: sind auch nur Schüler. Diese Erfahrung ist die Basis von gesellschaftlicher Veränderung.“

Das beschreibt auch recht gut das Phänomen, dass in Gegenden in denen kaum Ausländer wohnen, die Ablehnung gegen diese besonders groß ist.

Ich habe mich in meinem Leben schon in diversen Subkulturen rumgetrieben und so einige  „komische“ Leute kennengelernt. Und alle waren genauso nett oder doof wie alle anderen auch. Kommt jetzt eine andere Person mit einem noch unbekannten Lebensmodell daher, denke ich mir nur, schön, wenn es glücklich macht.

In den Kommentaren kam ebenso eine Frage bezüglich Verhaltensweisen, die zur Zeit noch strafbar sind. Und da kommt einem auch die Soziologie zur Hilfe, die besagt, dass Kriminalität die Gesellschaft einerseits stabilisiert und andererseits auch Fortschritt bringen kann*. Als Beispiel fällt mir da immer der Abtreibungsparagraph und die Demonstrationen dagegen ein. Dort wurden irgendwann Transparente hochgehalten, auf denen stand „Ich habe abgetrieben“. Damit wurde verdeutlicht, dass es gerade kein Einzelfall ist, sondern illegal schon gemacht wird und dabei mehr Leid entsteht, als durch ein Verbot verhindert würde. Wenn ein Gesetz nicht durchgesetzt wird oder werden kann, so verliert es seine Legitimation.

Soweit unterstütze ich die Idee, einfach zu mache. Ich bin ja immernoch der vielleicht etwas weltfremden Meinung, dass Deutschland ein Land ist, in dem man einfach alles machen kann, was nicht gegen Gesetze verstößt, oder anderen schadet und jedes Lebensmodell möglich ist. Das ist für mich der Unterschied zwischen einer liberalen Demokratie und einer Diktatur einer Mehrheitsmeinung. Sei es religiös oder anderer Art.

Kommen wir nun zu einem weiteren Aspekt, den die Vrouwelin eingebracht hat, und der bei Advi nur implizit auftaucht. Die Empathie, oder halt die Fähigkeit, trotz eigener Vorbehalte, wenigstens Verständnis aufzubringen. Und der Preis des einfach machens kann natürlich schon hart sein, wenn das eben nicht der Fall ist und unempathische Leute an den falschen Stellen sitzen, die einem das Leben kaputt machen können. Deswegen ist Empathie und Solidarität wichtig. Auch mit Menschen, deren Lebensmodelle nicht die unseren sind.

Beim lesen des Artikels fiel mir ein, wie die Diskussionen in den sozialen Medien ablaufen. Gerade jetzt zur US Präsidentenwahl wurde mir das nochmal bewusst. Wenn ich an die Diskussionen in den (sozialen) Medien denke, dann sehe ich dort recht wenig davon. Mein Eindruck ist, dass jeder seine feste Meinung hat und denkt, die ist richtig und jeder der nicht der eigenen Meinung ist, ist ein Nazi, Sexist, Feminazi, you name it. Dabei brüllen sich alle gegenseitig an und beschimpfen sich und werfen der Gegenseite vor andere zu beschimpfen. Eine kleine Übersicht dazu findet sich bei Stephan Humer. Und das ist, nach allem was ich so mitkriege eben genau das, was ankommt. Die wollen mir vorschreiben wie ich zu leben habe und mir meine Rechte auf irgendwas nehmen, während andere welche bekommen.

Was mir dazu gerade spontan beim Schreiben einfällt wäre Rollendistanz. Alle müssten mal einen Schritt zurück treten und sich die Sache, wie bei einer Fernsehwiederholung eines Zwischenfalls, anschauen.

Ich mag mich täuschen, aber mein Eindruck ist, dass eine Welle an Medieninhalten auf uns alle einprasselt, deren Kernbotschaft ist, du musst dies und das machen sonst machst du alles falsch in deinem Leben.  Die Botschaft ist eben nicht, leb dein Leben wie es dir gefällt, sondern lebe dein Leben „richtig“. Und was genau jetzt „richtig“ ist, bestimmen wir. Wer auch immer dann „wir“ ist.

Was mich nervt sind Leute, die andere dafür kritisieren, dass sie intolerant seien und gleichzeitig stempeln sie andere Leute mit akademisch klingenden Schimpfwörtern ab und sind selbst nicht zum Dialog bereit. Mir kommt es vor, als wenn es nicht um Inhalte, sondern um die Form geht. Etwas, was niemand aus der Arbeiterklasse jemals verstehen würde. Dort hält man nichts von „hochgestochen um den heißen Brei rumreden“. Man kann das sicher in akademischen Kreisen tun, doch wenn Leute außerhalb der akademischen Filterbubble (eigentlich auch eine moderne Bezeichnung für Elfenbeinturm) erreiche möchte, dann ist das nicht von Vorteil eine eigene Sprache zu haben, die von der Zielgruppe nicht verstanden wird.

Im Prinzip reden alle aneinander vorbei und beschuldigen sich gegenseitig, dass die Gegenseite ihnen ihren Lebensstil aufzwingen will. Und am Ende wundert man sich, warum Politiker Erfolg haben, die zumindest vorgeben einen zu verstehen und zuzuhören.

Womit wir wieder bei der Empathie wären. Ich glaube, der größte Fehler ist, zu glauben, dass die eigene Weltanschauung so gut und perfekt ist, dass sie jeder ohne Erklärung einsehen muss. Tut er das nicht, ist er einfach zu doof dafür. Schaut man sich die soziale Welt auf diesem Planeten an, so ist das aber nur sehr selten der Fall.

Wenn euch jemand als dumm bezeichnet weil ihr seine Meinung nicht teilt, dann werdet ihr doch sicher nicht sagen, ja stimmt da hat er recht, ich bin total doof. Nein, wenn ich jemanden überzeugen will, dann muss ich ihm das Gefühl geben, dass ich ihn auch ernst nehme. Erst auf dieser Basis kann ein Dialog funktionieren. Solange aber jeder als „Nazi“ beschimpft wird der es gar nicht ist, führt das nur zu einer Abstumpfung. Denn diese Bezeichnung ist einfach nur eine Methode um die Kommunikation abzubrechen.

Um mal ein Beispiel zu nennen, wenn linke Wohlstandskinder mir als weißem Mann, der als Arbeiterkind aufgrund seiner Herkunft nicht zum Gymnasium konnte, und dann über den Zweiten Bildungsweg  mühsam und Zeitraubend schließlich doch noch zur Uni kam, erklären, ich solle mal meine Privilegien checken, dann komme ich mir etwas veralbert vor.

Das soll jetzt kein Rant gegen Linke oder Akademiker allein werden. Ich kenne beide Welten und weiß, wie jedweils über die andere gedacht wird. Das Thema ist auch wesentlich komplexer und vielschichtiger, als ich es hier darstellen kann. Das ist nur eine Ebene, die mir gerade aufgefallen ist. Gerade auch im Zuge der US Präsidentenwahl, wo ich Trump Wähler und Nichtwähler und ihre Ansichten in meiner eigenen Filterbubble beobachtet habe. Auf allen Seiten scheint mir ja im Moment nichts unter „Nazi“, „Teufel“ und „Apokalypse“ zu laufen. Dass eben nicht alles so schlimm und dramatisch ist, was so gezeigt wird, kann man hier nachlesen.

Von daher kann ich „Einfach mal die Fresse halten, solidarisch sein und  machen.“  nur unterstützen und dazu noch ergänzen, einfach mal entspannen.

*Das soll jetzt kein Aufruf dazu sein gegen Gesetze zu verstoßen, oder Kriminalität als gut hinstellen. Das Thema ist deutlich komplexer als ich es hier ausführen kann und bezieht sich nur auf die akademisch, soziologische Analyse der gesellschaftlichen Funktionen und Wirkungen im politischen Diskurs.

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Soziologische Linkschau 6/16


Der Politologe Colin Crouch über Rechtspopulistische Parteien


Vortrag in Bremen: Der Körper des Drachen – Chinas Megastädte aus interkultureller Perspektive


SoWi Stamtisch #28: Wettbewerb und Kooperation bei Bourdieu


Mitternachtskabinett #34: Die Angst und nordkoreanische Einhörner


ARMIN NASSEHI: Die Stunde der Konservativen (FAZ)


Aktuelle Sozialpolitik: Von der Armut, ihren Quoten, ihrer kritischen Diskussion – und von abstrusen Kommentaren


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Etablierte Parteien und ihr Umgang mit extremen Parteien

Im Moment überbieten sich die Parteien mit neuen Vorschlägen von Gesetzesverschärfungen für Flüchtlinge. Jeder noch so kleine Vorfall wird in den Medien aufgebauscht und selbst wenn die Straftaten dann doch von schon länger in Deutschland lebenden „Ausländern“ oder Deutschen mit Migrationshintergrund begangen wurden, was beim Normalbürger hängen bleibt, ist die Asylanten sind eine Gefahr für Deutsche Bürger. Niemand liest die Gegendarstellung, die dann auch nicht reißerisch auf der Titelseite steht.

Dieses Spiel ist nicht neu. Jedes Mal, wenn die Zahl der Flüchtlinge angestiegen ist, wurden Rufe nach einer Verschärfung der Asylgesetzgebung laut. Ebenfalls taucht der nicht tot zu kriegende Mythos von der Sonderbehandlung von Ausländern durch Polizei und Behörden immer wieder auf. Continue reading

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Soziologische Linkschau 4/15

 
 
Beobachter.Lab zur Diskussion: Der Islamische Staat – Organisation oder Bewegung?


Gephi 0.9 released


Die Kita macht den Unterschied (Tagesspiegel)


Patrick Breitenbach: Wider die anstrengende Aufklärung: Warum Extremismus (im Jahr 2015) so attraktiv ist.


Spannende Forschung zum Thema Social Media bei Social Media Forensics


Transnationale Orte


Bildung in der Familie oder „Weil man keine Blume ist“ – Teil 1 von Janos Mertin


 
 

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Buchtipp: Pierre Bourdieu – Gegenfeuer

Pierre Bourdieu war ein Soziologe der nicht nur die Gesellschaft analysierte, sondern sie auch gestalten wollte.  Wie schon im Film „Soziologie ist ein Kampfsport“, zeigt dieses Buch einen streitenden Bourdieu, der versucht gegen die „konservative Revolution“ anzukämpfen und die Mechanismen die hinter dem Siegeszug des Neoliberalismus stehen deutlich zu machen und Auswege aufzuzeigen. Continue reading

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Andreas Schleicher: Use data to build better schools

Andreas Schleicher spricht bei TED über die PISA Studie und wie man damit das Schulsystem verbessern kann.

Ein Satz in seiner Rede hat mir besonders gefallen. Nämlich der Hinweis darauf, dass das Schulsystem, gerade in Deutschland, als Auslesesystem angesehen wird. Jeder kommt in eine Schublade und dann wird der Schlüssel weggeschmissen und das im Alter von 10 Jahren. Inzwischen hat sich ja schon einiges getan, um das dreigliedrige Schulsystem in Deutschland zu verändern. Wobei man am Beispiel Hamburg sehen konnte, dass manchmal nicht die Politiker der Hemmschuh sind, sondern die Eltern.

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Essay: Entwicklungspolitik

Der folgende Text entstand nach einem Seminar zur Entwicklungszusammenarbeit.

Ich stehe der Entwicklungshilfe, oder wie es neuerdings heißt Entwicklungszusammenarbeit, sehr skeptisch gegenüber. Das liegt wohl vor allem darin, dass ich die 80er miterlebt habe. Andauernde Hungersnöte in Afrika, Live Aid und tausende Institutionen, die den „armen Negerkindern“ helfen wollten. Gebracht hat es aber irgendwie nichts. Gut, das lag sicher auch an den Methoden. Die Wende von der Hilfe zur Zusammenarbeit war damals noch nicht vollzogen. Man begann wohl damals erst so langsam darüber nach zu denken, dass etwas nicht stimmt. Zudem war Entwicklungshilfe im Schatten des Kalten Krieges natürlich auch eine politische Sache und man unterstützte nur die Länder, denen man auch politisch nahestand, sprich, die die dem eigenen Block zugehörig waren. Continue reading

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Michael Hartmann über die Eliten und Hartz IV

In der ZEIT hat der Soziologe Michael Hartmann ein Interview zum Thema Eliten und Hartz IV gegeben. Darin beschreibt er die Veränderungen in den letzten Jahren und zeigt die Mechanismen auf, die hinter den aktuellen Debatten um „Leistungsträger“ und „Sozialschmarotzer“ stehen.

Dazu passt auch ein Kommentar bei Spiegel Online

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Soziologie ist ein Kampfsport. Pierre Bourdieu im Porträt

Pierre Carles
Soziologie ist ein Kampfsport. Pierre Bourdieu im Porträt

Wohl jedem geistes- und kuturwissenschaftlichen Studierenden begegnet irgendwann einmal der Name Pierre Bourdieu unter oder über einem Text. Er ist bekannt u. a. durch das Werk „Die feinen Unterschiede“. Der französische Soziologe gehörte schon zu Lebzeiten zu den bedeutensten Soziologen des 20. Jahrhunderts, so dass wir nicht nur Texte von ihm, sondern auch das Glück haben, dass es ein Film über ihn gibt, der vor seinem Tod 2002 entstanden ist. Der Filmemacher Pierre Carles hat ihn für das französische Kino gedreht. Er ist jetzt dank des Suhrkamp-Verlag auf DVD in Deutschland erhältlich.

Pierre Carles hat Pierre Bourdieu längere Zeit mit der Kamera begleitet. Der Film kommt ohne Kommentare bzw. Sprecher und Interviews des Filmemachers mit ihm aus, stattdessen reiht der Film einzelne Episoden aneinander. Sie zeigen Bourdieu in unterschiedlichen Situationen. Mit seinen Kollegen an der Universität; bei zufälligen Begegnungen auf der Straße; bei einem Interview mit einem Jugendradio; bei Podiumsdiskussionen; in Uni-Seminaren.

Es entsteht das Bild eines durch und durch sympathischen Mannes. Ein Mann mit Humor, Beobachtungsgabe, Empathie, Wissen, Leidenschaft, Engagement und dem Willen, seine Anliegen den Menschen verständlich zu machen. Ein Bourdieu, der aufgeregt ist, weil er auf Englisch reden muss bei einem wissenschaftlichen Kongress und das ganze trocken mit dezenter Ironie kommentiert; dann einen, der engagiert mit Einwohnern eines benachteiligten Stadtteils diskutiert. Ein anderes mal bittet er Studierende, ihm die Fragen zu schicken, die sie sich nicht getraut haben zu stellen bei einem Besuch von ihm in ihrem Seminar. Dann ist er väterlich besorgt um den Arbeitsfortschritt eines Mitarbeiters.

Der Sohn eines Bauern aus der Provinz bleibt auch am Ende seiner akademischen Laufbahn bescheiden und behält genug Distanz zu seinem Werk. Wenn ein Diskutant im Eifer des Gefechts sagt „Es ist nur Bourdieu, nicht Gott“, verärgert ihn das nicht, sondern findet seine Zustimmung. Er will den Menschen Mut machen zu denken und ihr Anliegen in die eigene Hand zu nehmen. Es erscheint einem aufgrund des Films plausibel, dass Bourdieu bis zuletzt nie ganz in den Welt der Akademiker heimisch wurde und diese Welt und sein Wirken in ihr mit nötiger Distanz beobachten konnte.

Natürlich bekommt man im Film auch mit, was er z. B. unter kulturellem Kapital versteht. Wer Geld hat, hat damit bestimmte Möglichkeiten. Wer bestimmte kulturelle Fähigkeiten, also kulturelles Kapital hat, hat dadurch auch bestimmte Möglichkeiten. Wer z. B. eine akademische Karriere machen möchte, muss reden können wie man es in akademischen Kreisen macht. Und wer konnte gerade dies besser beobachten als das Nicht-Akademiker Kind Bourdieu?

Aber das Kern-Anliegen des Films ist: Die Facetten seines öffentlichen Auftretens zu zeigen. Und darin bekommt man in fast 3 Stunden einen guten Einblick.

Der Suhrkamp Verlag hat den Film mit deutschem Untertitel auf DVD veröffentlicht. Ein hartes Stück Arbeit, ihm lesend und denkend zu folgen und gleichzeitig den Film zu sehen, aber es lohnt sich. Auf überflüssige Extras verzichtet der Verlag, legt aber ein inhaltlich ergänzendes 52-seitiges Heft bei.

Autor: Norbert Paul

 

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